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Foto: Stefan Holtzem

An der Wegscheide von Sommer zu Herbst jährt sich zum vierten Mal das kleine, aber feine Golden Leaves Festival. Obwohl „klein“ es nur noch bedingt trifft, denn dieses „Kleinod für Musikliebhaber“ hat sich mittlerweile bundesweit Renommee verschafft. Von Beginn im Jahr 2012 an schaffte es das bestens vernetzte Bedroomdisco-Team, auch internationale Künstler aus Europa und Übersee in die vermeintliche Provinz Darmstadt/Südhessen zu locken.

Was 2008 mit Dominik Schmidt und Franziska Maurer als kleines Radio-Projekt begann, mauserte sich schnell zu einem umfangreichen Indie-Konglomerat aus Musikblog, DJ-Sets, Konzertreihe, Youtube-Channel und einem großen Team mit zahlreichen bundesweiten Verästelungen. Gerade bei der Konzertreihe „Wohnzimmerkonzerte“ bewiesen die Macher immer ein gutes Gespür für Rohdiamanten, die meist nur Monate später in aller Munde waren (Hundreds, Me & My Drummer, Sea & Air, We Invented Paris, Me Succeeds, Fenster, Evening Hymnes, Caroline Keating …). Stets nach dem Motto „Spread Love For Great Music!“.

Als gelungene Besonderheit erwies sich dabei, die Konzerte nur per persönlicher Anmeldung und auf freiwilliger Spendenbasis, also ohne festen Eintrittspreis, ablaufen zu lassen. Manche Veranstalterkollegen beäugen dies zwar kritisch, für die Bands, denen keine Festgage zugesagt wurde, erweist sich dies aber fast immer als sehr ertragsreich. Die verlässlich angenehme und entspannte Konzertatmosphäre und meist hohe Qualität der Künstler entlockt den geladenen Besuchern oftmals eine höhere Spendensumme, als durch einen festen Eintritt erreicht worden wäre. Und da die ständig wechselnden Konzertorte öffentlich nicht genannt, sondern nur den erfolgreich Angemeldeten bekanntgegeben werden, fühlt sich dieser Kreis dann um so exklusiver und auserwählter. Eine gelungene Strategie.

Keine Tickets im Verkauf, Location bis zum Schluss geheim, Gästeliste, Losverfahren.

Da die Organisation eines Festivals für Dominik Schmidt als Abschlussarbeit seines Media-Direction-Studiums zur Bewertung anstand, gab es eine Art „Zwang“, aus den guten Erfahrungen und der daraus resultierenden guten Vernetzung in der bundesweiten Indie-Szene zu schöpfen und praktisch aus dem Nichts ein funktionierendes Open-Air-Festival ins Leben zu rufen. Im terminlich überladenen und durchaus umkämpften bundesweiten Festival-Kalender kein leichtes Unterfangen. Ähnlich wie bei den „Wohnzimmerkonzerten“ gab es keinen klassischen Vorverkauf, sondern eine kostenfreie Anmeldephase und ein Losverfahren – und es gibt bis heute immer mehr Anmelder als Kapazität. Da sich bei einem größeren Line-up und erhöhten Aufwandskosten aber trotz hoher Spendenbereitschaft dennoch ein finanzielles Risiko ergeben kann (alleine der Faktor Wetter wird für viele Open-Airs schnell zum finanziellen Fiasko), begann man letztes Jahr eine Crowdfunding-Kampagne im Vorfeld zu starten – mit großem Erfolg.

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Foto: Stefan Holtzem
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Foto: Stefan Holtzem

Dazu ein kurzes Interview mit den Veranstaltern Dominik Schmidt, Frederick Rühl und Tobias Schrenk:

Wie kam es zur Idee, eine Crowdfunding-Kampagne zu starten?

Golden Leaves: Vor zwei Jahren wurden wir das erste Mal mit der negativen Seite unseres besonderen Festival-Konzepts konfrontiert: Wir waren nach der Anmeldungsphase sehr schnell „ausverkauft“ – damals gab es noch kein Crowdfunding – aber das Wetter spielte leider nicht mit und viele Menschen blieben lieber daheim oder sagten spontan ab. Da solch ein Konzept wie das unsere, gerade finanziell, einen schwierigen Stand hat und immer auf Kante geplant werden muss, hatten wir durch die fehlenden Menschen natürlich die schlimmsten Befürchtungen. Am Ende konnten wir aber nur staunen, was für ein Gespür für die Situation die anwesenden Gäste hatten. Es wurde außerordentlich viel gespendet, um das Projekt am Laufen zu halten und damit das Weiterbestehen des Festivals auch in 2014 zu sichern. Für dieses Vertrauen in das Projekt, und damit auch in uns als Team, können wir den Gästen gar nicht genug danken. In jenem Jahr hat sich auch bei uns ein Schalter umgelegt und uns wurde klar, dass wir einen Weg brauchen, um schon vor dem Festival Geld zu sammeln. Wir entschieden uns für eine Crowdfunding-Kampagne. Die deckt zwar noch lange nicht alle Ausgaben, aber zumindest schon mal einen Teil.

Wie zufrieden seid Ihr mit dem Ergebnis?

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Foto: Stefan Holtzem

Golden Leaves: Wir sind super zufrieden, dass unsere Crowdfunding-Kampagne auch im zweiten Jahr so großartig von den Gästen angenommen wurde! Bereits nach einer Woche haben wir unser Finanzierungs-Ziel erreicht und bis zum Ende der Aktion fast alle Unterstützer-Pakete verkauft. Das ist für uns natürlich ein krasser Vertrauensbeweis seitens der Festival-Unterstützer und hilft uns nicht nur besser zu schlafen, sondern das Festival finanziell zumindest zum Teil auf sichere Beine zu stellen. Leider muss man ja doch für einige Dinge in Vorkasse gehen, was wir ohne das Crowdfunding nicht könnten. Crowdfunding ist bestimmt nicht für jede Veranstaltung nutzbar, ob das „A5“ damit Erfolg hätte, ist schwer vorstellbar – no bad feelings, wir lieben den Laden #donnerstagistpopoklatschtag. Da hat man als sympathisches, unkommerzielles Liebhaber-Festival schon einen deutlich besseren Stand. Das Golden Leaves Festival lebt einfach davon, dass unzählige Menschen mit anpacken und die Sache unterstützen und sei es durch ein paar Euros als Spende oder den Kauf eines CD-Pakets. Für uns war Crowdfunding also nur eine logische Konsequenz, die ausgezeichnet funktioniert.

Danke für das Gespräch und alles Gute, viel Spaß und Erfolg für das Golden Leaves 2015!

 

Fantastic Crowdfunding!

Die erste Crowdfunding-Kampagne des Golden Leaves Festivals im Jahr 2014 erreichte die angestrebte Summe schnell. Beim diesjährigen Spendenlauf wurde das Ziel sogar weit übertroffen – angestrebt waren 7.000 Euro, erzielt werden konnten 14.127 Euro. Ein großer Vertrauensbeweis und Vorschusslorbeeren für ein wieder grandioses Line-up mit großen Namen und vielen Rohdiamanten. Das Festival dürfte dadurch trotz kleinem Nieselregen-Risiko im sicheren Fahrwasser bleiben, zumal es wieder „ausverkauft“ ist. Für das Wochenende vom 12.09. bis 13.09. gibt es so viele Anmelder, dass eine riesige Warteliste noch hofft, auf den letzten Drücker reinrutschen zu können. Den wie stets öffentlich geheim gehaltenen Festival-Ort im Raum Darmstadt dürfen wir daher auch nicht preisgeben, damit nicht Leute auf gut Glück dorthin pilgern.

Für Nicht-Teilnehmer lohnt ein Blick und ein Ohr auf das geschmackvolle Programm dennoch, da es den eigenen Musikhör-Fundus bereichern dürfte.

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