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Foto: Mathias Hill

Für diese Ausgabe traf ich mich mit dem Mann, zu dessen Ehren der Begriff „Pferdelunge“ wohl mal erfunden worden ist. Ich bin unterwegs mit Jörg Drechsler, P-intern nur der „Marathon Man“ genannt, und lasse mich von ihm über den Darmstädter Ostwald-Trail scheuchen.

Jörg ist Hausmeister am „Bölle“, ähem, natürlich am „Merck-Stadion am Böllenfalltor“. Dennoch ist er Eintracht-Frankfurt-Fan … und ein begeisterter Ultra-Läufer. In P-Ausgabe 59 (November 2013) hatten wir ihn schon einmal portraitiert: als einen ganz normalen Typen, der es sportlich einige Jahre lang schleifen ließ, es dann aber einfach mal wissen wollte, 2005 seinen ersten Marathon lief und sich anschließend zum Ziel setzte, „eines Tages 100 Marathon- und Ultraläufe absolviert zu haben“.

Und wie könnte es anders sein? Im Mai dieses Jahres ist es so weit: Der 44-Jährige Habitzheimer hat sich den Mannheim-Marathon, wo er seinerzeit erstmals loslegte, als Lauf Nummer 100 ausgesucht. Dazwischen war alles für ihn dabei: 100-Kilometer-Läufe, Trails wie der Rennsteiglauf in Thüringen, Etappenläufe wie der Drei-Länder-Trail in Luxemburg (187 Kilometer in vier Etappen), Weihnachts-, Oster-, Knast- und Parkhaus-Marathonläufe und und und … Allein 2015 ist Jörg 26 Marathons oder Ultras, also noch längere Strecken, gelaufen. In diesem Jahr sollen es 30 werden.

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Foto: Mathias Hill

Kein Wunder also, dass er, als wir uns an diesem nur mäßig gemütlichen, aber immerhin trockenen Märznachmittag treffen, um locker-flockig seine Hausstrecke zu joggen, bereits einen Vormittags-Marathon-Wettkampf hinter sich hat. Gut für mich, denn dann kann ich halbwegs mit ihm mithalten!

Wir beginnen unseren Rundkurs an Jörgs Arbeitsstätte, also direkt vor dem Stadion, in der Nieder-Ramstädter Straße. Von dort ist man im Nu am Polizei-Sportschützen-Haus im Böllenfalltorweg vorbei und trottet durch den Ostwald in Richtung Traisa. Bereits nach wenigen Kilometern fällt mir auf, dass Jörg in der Regel die kleinen Wurzelwege den geschotterten Waldwegen vorzieht. Es hat zwar tags zuvor geregnet, aber das Laufen artet nicht in einer Schlammschlacht aus. Na ja, bis auf ein, zwei Stellen vielleicht. Der Vorteil dieser Art der Routenführung ist auf jeden Fall, dass man in Ruhe seinen Gedanken nachhängen kann, denn außer ein, zwei Spaziergängern mit ihren Hunden begegnen wir hier niemandem.

Wir laufen vorbei an der mächtigen Klipsteins-Eiche, unter der seit 150 Jahren die Gebeine des Oberforstdirektors Philipp Engel von Klipstein ruhen, und passieren die Darmbach-Quelle, wo das kleine Rinnsal schon einmal auf sein trauriges tiefergelegtes Schicksal in der Stadt vorbereitet wird. Hier wird etwas Weiteres klar: Jörg macht trotz der 42 Kilometer, die er heute Vormittag schon hinter sich gebracht hat, immer noch gerne ein paar Höhenmeter! Es ist ein ständiges Auf und Ab, für sich genommen jeweils im Rahmen, aber in der Summe schon anstrengend.

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Foto: Mathias Hill

An der Fischerhütte angekommen, weist Jörg darauf hin, dass er im Ostwald vor oder nach der Arbeit gerne mal 15 bis 30 Kilometer zurücklegt, um den Kopf freizukriegen. Wenig später, wir haben gerade den Bahnhof Lichtwiese passiert, kommt mir eine dritte Erkenntnis: Das sind doch mehr als die acht bis zehn Kilometer, die wir im Vorfeld angepeilt hatten! Jörg hat ein bisschen getrickst. Als wir am Ende an den Tennisplätzen in der Traisaer Straße und der Aral-Tanke in der Nieder-Ramstädter Straße vorbei wieder zum Stadion getrabt sind, haben wir knapp zwölf Kilometer zurückgelegt – und das, ohne einen längeren Streckenabschnitt doppelt gelaufen zu sein.

Ich verzichte auf eine Stadionführung, schwinge mich stattdessen wieder aufs Rad, bedanke mich noch bei meinem Mitläufer für das Vorführen seiner Hausstrecke und verabschiede mich. Mach’s gut, „Marathon Man“, spätestens zu Deinem 150. Lauf sehen wir uns wieder!

 

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Ostwald-Trail

Streckenlänge: 10,3 bis 11,6 Kilometer (auf der Strecke finden sich beliebig viele Feldweg-Variationsmöglichkeiten)

Profil: Leicht wellig, 162 Höhenmeter

Zielgruppe: Naturläufer, die keine Angst vor ein bisschen Dreck an den Beinen haben

Stadtteile: Bessungen, Darmstadt-Ost (viiiiiel guter Ostwald) – und die Gemeinde Mühltal

Hot Spots: Merck-Stadion am Böllenfalltor, Klipsteins-Eiche, Darmbachquelle, Fischerhütte

Untergrund: Da Jörg „Waldautobahnen“ erklärtermaßen nicht mag, finden sich viele Feld- und einige Wurzelwege

Beleuchtung: „Running in the moonlight“

Extras: Nach ungefähr neun Kilometern kann man am Bahnhof Lichtwiese in die Odenwaldbahn steigen und abdüsen, wahlweise bei der Fischerhütte ein Bier trinken oder sich ganz am Ende der Runde bei der Aral-Tanke am „Bölle“ was Ungesundes kaufen.

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