Ideen entstehen in Situationen – gute manchmal in guten. So auch folgende: Vier Darmstädter Freunde auf vier Fahrrädern radeln für vier Tage in die Vogesen, um am 8. Juli 2022 der Tour de France als Zuschauer beizuwohnen. Am Abend reift bei vier Flaschen Wein eben jene gute Idee heran: Wir gründen einen Darmstädter Radsportverein. Erst einmal noch nichts, was es nicht schon gibt im Heimatstädtchen. Denn dort sind auch schon die Schotterradbande und die Leute vom Ridestall auf ihren Rädern unterwegs. Aber dieser Verein hat einen besonderen Fokus und gesellschaftlichen Anspruch.
RSV Pumpe e. V. ist ein engagierter Radsportverein mit 35 aktiven Mitgliedern, wachsendem Zuspruch und einer festen Verankerung in der lokalen Radszene. Regelmäßige Formate wie der „JederMenschRide“, der „FLINTA-Ride*“, Season Opening und Closing des Darmstädter Radsports, Frühlings- und Sommerfeste, Termine beim Sportamt sowie ein monatliches Plenum prägen das Vereinsleben. Doch der Weg dorthin war steinig.
Im Sommer 2022 – zurück aus den Vogesen wieder zu Hause am Woog – dräut die Bürokratie. Eine Vereinsgründung bedarf drei weiterer Menschen, die sich glücklicherweise schnell finden. Zudem muss die Weinidee in eine Satzung, sprich: in ein trockenes, juristisch einwandfreies Regelwerk, gepresst werden. Dazu genügt erst einmal ein Zweck. Der soll der Förderung der Radsportkultur und der allgemeinen Toleranz dienen. „Wir waren völlig überrascht, als unser erster Antrag abgelehnt wurde“, erzählt Julian „Jules“ Schnell, einer der Pumpe-Gründer. Grund: Von juristischer Seite ist eine Melange aus Sport und Kultur nicht gemeinnützig. Also wird die Kultur aus der Satzung, nicht jedoch aus dem angestrebten Vereinsleben gestrichen. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgt im April 2023.
Der Verein kann loslegen und beginnt, ein alternatives, offenes Konzept zu erstellen, das über die Jahre mit seinen Mitgliedern wachsen soll. Um ein aktiver Teil zu werden, genügt Omas altes Rad, ein Helm und die Freude, Mitglied einer radelnden Gemeinschaft zu sein und diese mitgestalten zu wollen. Der Vereinsbeitrag liegt im eigenen Ermessen.
Radsport für alle
„Wir sind kein leistungsorientierter, männerdominierter Sportverein“, betont Jules. Stattdessen wird Fahrradfahren – an der juristischen Hürde vorbei – als Kultur verstanden. So sollen einerseits die Schönheit des Radelns, der Natur und der Region bei gemeinsamen Ausfahrten entdeckt und erlebt werden. Andererseits versteht frau und man sich als Ort der Gemeinschaft und als Anlaufstelle für Hilfe und Service – jederzeit eine (Luft-)Pumpe für jeden radelnden Menschen. Daraus entwickeln sich zwei Schwerpunkte des Vereins: die bereits erwähnten „JederMenschRides“ und eine mobile Mitmachwerkstatt.
Zu den öffentlichen „JederMenschRides“ in die Region ist tatsächlich jeder Mensch willkommen, der ein verkehrstüchtiges Rad und einen Helm mitbringt. Ob Regen, Schlamm, platte Reifen: Das Abenteuer des Radelns wird zelebriert. Dazu gehören auch Unterwegs-Reparaturen. „Es ist schon passiert, dass wir hilfesuchend an fremde Tore und Türen auf dem Land klopfen mussten“, erzählt Pumpe-Aktivistin Miriam Treutz lachend. Motto dieser Ausfahrten ist: „Wir starten gemeinsam und kommen zusammen an.“
Seit 2024 findet auch der monatliche „FLINTA-Ride*“ statt. „Bei diesem speziellen Ride sollen sich marginalisierte Gruppen wohl fühlen“, erklärt Karoline Schüßler, aktives Mitglied und Ride-Organisatorin. „Wir bitten alle CIS-Männer, das zu respektieren.“
Trotz des Fokus auf solidarische Gemeinschaft und Fahrradspaß für jedermensch finden auch sportlich Ambitionierte im Verein Freude und Herausforderung. Die Teilnahme an Hobbyrennen wie dem Großen Preis der Südlichen Weinstraße oder „Eschborn–Frankfurt“ stehen durchaus auf dem Plan.
Teil des WDC-Programms 2026
Vom World Design Capital (WDC) 2026 in Frankfurt Rhein-Main wird der Verein für sein Projekt „Unsichtbares erfahrbar machen“, das Bewegung, Demokratie und Gemeinschaft verbindet, mit einer Förderung ausgezeichnet. Mit einer Auftaktveranstaltung im Schuki am 16. Mai startet das Projekt mit der 1. Phase: „UNSICHTBARES erfahrbar machen“. Bis dahin soll die mobile Werkstatt in Form eines selbstgebauten Fahrradanhängers fertiggestellt sein, um erst am Schuki und künftig an verschiedenen Orten zum Einsatz zu kommen. Außerdem sind an diesem Tag Kreativstationen wie T-Shirt-Druck und eine interaktive Darmstadt-Karte geplant. Zum Abschluss startet ein „JederMenschRide“.
Ab Juni beginnen zwei weitere Projektphasen: „Unsichtbares erFAHRBAR MACHEN“ wird Werkstatt-Workshops beinhalten, um Fahrräder fahrtüchtig zu machen. Mit der dritten Phase „Unsichtbares erFAHRbar machen“ erreicht das Projekt mit vielfältigen Social Rides, die demokratische Initiativen und oft übersehene demokratische Orte in und um Darmstadt sichtbar machen sollen, seinen Höhepunkt.
Das bisherige Vereinsleben und das Projekt im Rahmen des WDC 2026 zeigen, wie aus einer guten Idee eine Gemeinschaft entsteht und wie Bewegung zu Teilhabe wird sowie Unsichtbares sichtbar machen kann – das ist lebendige Stadtkultur auf zwei Rädern (um Demokratie zu stärken).
Bei allem Wachstum fehlt dem Verein bislang ein fester Ort. „Aktuell sind wir auf der Suche nach einer dauerhaften Bleibe – einem Raum für Werkstatt, Treffen und gemeinsames Gestalten“, sagt Jules. Wer etwas weiß, der melde sich bitte via Insta:
Pumpe e. V. veranstaltet:
„JederMenschRide“: Premiere am Donnerstag, 30. April, danach alle 14 Tage donnerstags um 18.30 Uhr, Treffpunkt: Haupteingang Ludwig-Georgs-Gymnasium (LGG), Nieder-Ramstädter Straße 2. Nur mit Helm und verkehrstüchtigem Fahrrad.
„FLINTA-Ride*“: jeden ersten Dienstag im Monat um 18.30 Uhr, Treffpunkt: Haupteingang LGG. Nur mit Helm und verkehrstüchtigem Fahrrad.
„UNSICHTBARES erfahrbar machen“: Auftaktveranstaltung im Schuki am Samstag, 16. Mai, um 12 Uhr
Kontakt und weitere Infos über instagram.com/rsvpumpe und Strava
„Die Pumpe“ auf Linktree: https://linktr.ee/rsvpumpe












