Nationalbank
Illustration: Rocky Beach Studio

Wenn eine Finanzkrise dazu führt, dass die zweitgrößte Bank des Landes die Hufe hochklappt, wenn an einem Montag, dem 13., so viele ängstliche Kunden ihre Ersparnisse vom Konto abheben, dass zahlreiche weitere Kreditinstitute ihre Zahlungsunfähigkeit erklären müssen, wenn der Präsident daraufhin in einer Panikreaktion alle Banken für zwei Tage schließen lässt, dann… befinden wir uns nicht etwa in der aktuellen Finanzkrise, sondern im Jahr 1931, dem Jahr des endgültigen Zusammenbruchs der „Darmstädter und Nationalbank“.

Ja, richtig gelesen, die zweitgrößte Bank Deutschlands trug vor nicht einmal 80 Jahren noch den Namen unserer schönen Stadt. Ursprünglich war die Darmstädter Bank für Handel und Industrie (kurz: Darmstädter Bank) 1853 in Darmstadt von Gustav Mevissen und Abraham Oppenheim mit einem Grundkapital von 25 Millionen Gulden gegründet worden. Bald schon ging sie auf Expansionskurs und eröffnete Filialen in Berlin, Stettin, Hannover und anderen Großstädten und schluckte die Breslauer Disconto-Bank. Leider währte das südhessische Finanzmetropolen-Dasein nicht lange, verlegte die Darmstädter Bank ihren Sitz doch bereits 1873 nach Berlin. Den Namen allerdings behielt sie – bis sie 1922 mit der „Nationalbank für Deutschland“ zur „Darmstädter und Nationalbank KG a. A.“ (oder kurz Danat-Bank) fusionierte. Darmstadt hatte also nicht viel davon, dass dadurch eine der größten Geschäftsbanken im Deutschen Reich entstanden war.

Die Zahlungsunfähigkeit der Danat und in deren Folge das eingangs geschilderte Szenario waren übrigens durch die damalige Deflation in Deutschland infolge der Weltwirtschaftskrise hervorgerufen worden. Nach den erwähnten Bankfeiertagen (könnte man mal wieder machen, oder?) wurden die Reste der Danat auf Anordnung der Reichregierung mit einer anderen Bank zusammengeschlossen, die erst vor kurzem, im August 2008, selbst Opfer einer Fusion wurde – der Dresdner Bank!

 

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