Alle Jahre wieder! Die Konzertreihe „Aja, Weihnachten.“ der aus Eppertshausen (bei Darmstadt) stammenden Rapper Mädness & Döll hat mittlerweile Tradition – seit 2017 ist die Veranstaltung für HipHop-Fans ein fester Termin im Kalender. Auch 2025 laden die beiden Brüder wieder ein – diesmal am 23.12. in die Centralstation.
Weihnachten steht vor der Tür. Habt Ihr schon alle Geschenke besorgt oder steckt Ihr knietief in den Vorbereitungen für das diesjährige „Aja, Weihnachten.“-Konzert? Die Show letztes Jahr – in der restlos ausverkauften Centralstation – war das mit Abstand größte eigene Konzert Eurer Karrieren. Wie war’s?
Mädness: Das war krass. Ich war super glücklich, dass die Leute das angenommen haben. Der Sprung von der Oetinger Villa in die Centralstation war nicht ohne. Die Atmosphäre war auch genau so, wie wir es uns vorgestellt hatten. Die Oetinger-Villa-Konzerte hatten einen anderen Rahmen, klar, aber die Stimmung war auch in der großen Centralstation genauso euphorisch wie in den Vorjahren. Jetzt hoffe ich natürlich, dass wir das wiederholen können!
Döll: Ich erinnere mich vor allem an einen Moment. Hinter der Bühne der Centralstation gibt es eine Empore. Als die Supports auf der Bühne standen, habe ich rausgeschaut und den rappelvollen Laden gesehen. Wie viele Leute da drin waren! Das war schon sehr bewegend. Zu sehen, wie viele Menschen wir in all den Jahren, in denen wir Musik machen, erreicht haben – und dass die zu dem Konzert kommen. Es war wirklich bis auf den letzten Platz gefüllt. Crazy!
Glaube ich, dass das bewegend ist und als herausragender Moment in der Karriere wahrgenommen wird, wenn man eine Halle mit fast 1.000 Leuten füllt.
Döll: Absolut. Für uns hat sich da irgendwie ein Kreis geschlossen. Die Idee zu „Aja, Weihnachten.“ kam spontan und war im ersten Moment ein Experiment. Eine kleine Show, ein Termin, dann die Zusatzkonzerte, Doppel-Shows, mit Corona der Schnitt und danach die Frage: Wie machen wir weiter? Tatsächlich hatten wir bis dahin in fast jedem Laden in Darmstadt mal gespielt: Nur die Centralstation hat gefehlt – na ja, Marco war dort mal als Support auf der Bühne – und dann machst du das Ding mit deinem eigenen Namen voll.
Mädness: War auch krass zu sehen, dass wir, obwohl wir die letzten Jahre hier vor Ort nicht so mega präsent waren, das Rhein-Main-Gebiet hinter uns wissen konnten. Obwohl wir lange woanders gelebt haben, ist das hier unser Platz. Hier sind unsere Leute.
2017 ist Euer gemeinsamen Album „Ich und mein Bruder“ erschienen, eine zentrale Platte in Eurer Karriere, aber auch ein Album, das mit Eurem Wegzug nach Berlin verbunden war. Im selben Jahr ging das erste „Aja, Weihnachten.“-Konzert in der Oetinger Villa an den Start. War das eine bewusste Besinnung auf die Wurzeln, ein Homecoming?
Döll: Das Homecoming ist der Grundgedanke. Als wir nach Berlin gezogen sind, war es selbstverständlich, dass wir an Weihnachten zurück nach Hause fahren. Unser musikalischer Ursprung liegt in der Darmstädter Szene und in der Szene Hessens. Da lag es auf der Hand, dieses Konzert in Darmstadt zu spielen. Heute ist „Aja, Weihnachten.“ so eine Art Klassentreffen geworden. Viele, die für die Feiertage nach Hause reisen, kommen hier zusammen.
Die Bezüge und die Identifikation mit Hessen und der Szene vor Ort sind trotz des Umzugs nach Berlin aus Eurer Musik nie verschwunden. Auf den Platten und Songs der letzten Jahre sind etliche Referenzen zu hören …
Döll: Der Bezug ist nie verschwunden. Es gab und gibt immer wieder Referenzen oder Zeilen, die darauf hinweisen. Die Verbundenheit ging bei uns nie verloren. Und mit dem Zuspruch zu den „Aja, Weihnachten.“-Konzerten hat man auch sehen können, dass das umgekehrt erfreulicherweise auch nicht der Fall war.
Gab es bereits 2017 die Idee, aus „Aja, Weihnachten.“ eine Reihe zu machen?
Döll: So wirklich weiß das heute niemand mehr, glaube ich … [lacht].
Mädness: Das hat sich so entwickelt. Als wir das erste Konzert in der „Villa“ gespielt haben, gab es keine weiteren Pläne – und erst recht nicht, dass wir 2024 und 2025 darüber sprechen, in der Centralstation zu spielen! Auf unseren Touren haben wir Darmstadt immer ausgelassen, meist in Wiesbaden oder Frankfurt gespielt. Darmstadt haben wir uns immer für „spezielle Anlässe“ aufgehoben. So hat sich das entwickelt …
Döll: Wir hatten so auch immer den Anspruch an uns selbst, unsere Auftritte in Darmstadt zu speziellen Konzerten zu machen. Zum Beispiel, dass Gäste auf der Bühne stehen, Songs gespielt werden, die sonst selten live zu hören sind …
Mädness: Auf den Touren waren wir natürlich immer gut gekleidet, aber das feine Hemd haben wir bei „Aja, Weihnachten.“ rausgeholt! [lacht]
„Die ,Villa‘ ist quasi ein Gallien in der Kulturwelt.“
Die Oetinger Villa war seit 2017 nicht nur Schauplatz der „Aja, Weihnachten.“-Konzerte. Hier habt Ihr auch darüber hinaus Release-Konzerte gespielt oder dieses Jahr zum Beispiel das Jubiläumskonzert „10 Jahre Maggo“. Was verbindet Euch mit der „Villa“?
Mädness: Die Oetinger Villa ist seit Jahrzehnten ein besonderer und wichtiger Ort.
Döll: Absolut. Eine kulturelle Instanz in Darmstadt! Hier wird Nischenmusik oder Musik abseits des Mainstreams sichtbar und bekommt eine Plattform. Die „Villa“ ist ein großer kreativer Spielplatz, ein wichtiger Freiraum. Ich denke, hier werden viele Leute auf Musik und Kunst aufmerksam, die sie ohne diesen Ort nie entdeckt hätten.
Mädness: Wichtig und auch richtig cool ist, dass die Oetinger Villa als ehrenamtlicher Verein arbeitet. Es geht nicht um Profit und maximale Wirtschaftlichkeit. Dadurch wird es super vielen Menschen zu fairen, im Verhältnis eher günstigen Preisen ermöglicht, Konzerte und Kultur zu erleben. Egal, in welchem Genre. Hier gibt’s Rap, Punk, Hardcore. Quasi ein Gallien in der Kulturwelt. So nehme ich das wahr. Das ist im Kern so eine gute Sache – auch weil es nicht mehr viele solcher Läden und Orte gibt! Welche Bedeutung die Oetinger Villa hat, zeigt ja auch, dass eine Band wie die Beatsteaks ausgewählt dort spielt, um das Projekt und die Idee zu unterstützen.
Döll: Es ist schon krass. Jedes Mal, wenn wir in der „Villa“ waren, war es einfach cool. Die Leute, die das alles dort ermöglichen und sich für sie Sache einsetzen, das ist wahnsinnig toll. Meine ich ganz ernst. Es gibt gutes Essen, man versteht sich, man stellt gemeinsam etwas auf die Beine, die Stimmung ist super, der Umgang professionell. Ich finde es schön, dass wir dort immer spielen konnten und Teil davon waren – auch wenn wir nur ein ganz kleines Rad davon gewesen sind.
Mädness: Die Lasagne im Catering ist wirklich ausgezeichnet, muss man auch sagen! [lacht]
Bleiben wir in der Darmstädter Szene: Die wurde bei den „Aja, Weihnachten.“-Konzerten immer aktiv eingebunden. Im Boot waren immer lokale Acts, wobei Ihr als bundesweit präsente Rap-Künstler auch „größere“ Namen ins Programm hättet holen können. Über die Jahre wurde mit den Supports die Geschichte von Rap in Darmstadt abgebildet. 2018 spielte HipHop-Ikone Manges, zuletzt waren verschiedene junge Protagonisten mit auf der Bühne.
Mädness: Für uns ist es immer wichtig gewesen, wertzuschätzen, worauf wir aufbauen. Ohne die Szene in Darmstadt hätten wir nie Fuß gefasst. Damals, als wir starteten, haben uns auch etablierte Artists eine Bühne geboten. Ich kann mich noch erinnern: Als ich das erste Mal ans Mikrofon durfte, war das im Rahmen von Konzerten von Manges oder Baggefudda. Da hieß es einfach: „Lass den auch mal!“ Das kann schon ein „Sprungbrett“ sein, nicht im Sinne von krasser Start für eine Karriere, sondern dass man etwas kennenlernt und ein wenig Aufmerksamkeit schafft. Das, was uns früher ermöglicht wurde, wollen wir heute auch anderen ermöglichen.
Döll: Ich bin da ganz bei Marco: Respect the Architect! Darmstadt war schon immer eine Stadt, in der, proportional zu ihrer Größe, unwahrscheinlich viel Talent am Start war. Das ist glücklicherweise auch heute noch so. Und unser Anliegen war schon immer, Sachen gemeinsam zu machen. Freut uns daher, dass wir hier den Kreis von Manges bis zu Neuzeit Kollektiv schließen können.
Zwischen diesen Generationen von hiesigem Rap seid Ihr zwei Musiker, die über Dekaden hinweg beständig Teil des Darmstädter HipHop waren. Wie blickt Ihr aktuell auf die Szene?
Mädness: Hier passiert super viel. In Darmstadt und auch Rhein-Main. Zum Beispiel Alyzah: Meiner Meinung nach das Spannendste, was hier gerade passiert. In Wiesbaden haben wir kürzlich zusammen ein kleines Set gespielt und jetzt ja auch einen Song veröffentlicht …
Zurück zu Euch. Marco, 2024 hast Du zusammen mit Yassin und der Platte „Isso“ die Top 10 der Deutschen Charts erreicht – und kürzlich, überraschend, statt neuer Musik den Entertainment-Podcast „De Ding und De Anner“ zusammen mit Synchro-Comedy-Star Dietmar Diamant veröffentlicht. Wie kam es denn dazu?
Mädness: Ich bin seit letztem Jahr wieder öfter in Hessen gewesen. Dadurch hat sich der langjährige lose Kontakt mit Dietmar Diamant verstetigt. Die Idee mit dem Podcast kam uns von heute auf morgen. Wir können gut miteinander babbeln, haben einen ähnlichen Humor und haben das einfach ausprobiert. Fühlt sich für mich, als neuer Schritt, brutal gut an, weil es sauviel Spaß macht. Hier kann ich mich kreativ ausleben. Wir machen ebenfalls Musik zusammen, das findet aber auf einem ganz anderen Feld als Rap und HipHop statt. Im Frühjahr 2026 gehen wir mit dem Podcast auch auf Tour!
Fabian, Du hast dieses Jahr wiederum ein neues Solo-Album veröffentlicht: „weg vom Weg“ ist eine super intensive, persönliche Platte geworden und knüpft eher an „Nie oder jetzt“ von 2019 an als an die diversen kollaborativen, teils experimentelleren Platten der letzten Jahre.
Döll: „weg vom Weg“ ist ein Album, das in dem Moment seiner Entstehung entstehen musste. Zuvor war ich an einem Punkt, an dem ich daran zweifelte, ob ich überhaupt noch Musik machen kann. In Zusammenarbeit mit meinem DJ und Produzent „dermighty“ hat sich das Album dann irgendwie ganz organisch entwickelt. Es ist zu hören, dass ich aus einer – diplomatisch gesagt – schwierigen Phase meines Lebens gekommen bin. Release war im Januar, die Platte ging auf Platz 5 der Charts, auf die Tour folgten jetzt noch eine Reihe Zusatztermine. Hat sich sehr gut angefühlt alles!
Humorvoller Podcast voller Mundart von Mädness und ein Album von Döll, das Intimes, Ernsthaftes und gesellschaftliche Probleme beleuchtet – wie bringt Ihr diese zwei Welten bei „Aja, Weihnachten.“ unter einen Hut?
Mädness: Ich denke, das funktioniert ganz gut. Was die Inhalte unser Musik und unseres Schaffens betrifft, sind wir uns ähnlich. Wir drücken uns jedoch unterschiedlich aus und verarbeiten das unterschiedlich. Der Show tut die Abwechslung gut. Wir versuchen, einen schönen Bogen zu spannen: Alle Gefühle, alle Stimmungslagen, die wir mit unserer Musik transportieren, finden hier statt. Das klingt jetzt sehr „groß“: Meiner Meinung nach bildet das einfach unsere Leben in allen Facetten ab. Es gibt Tiefen und natürlich auch Aufbruchsphasen. Das spiegeln wir wider – und das funktioniert, denke ich, auch live ganz gut.
Döll: Das spielt uns eher in die Karten, als dass es das Gegenteil bewirkt, meine ich. So hat der Konzertabend eine schöne Dynamik.
Kommen wir also noch mal ein bisschen zurück zu dieser Metapher mit dem Kreis …
Döll: Sorry, dass ich das gedroppt habe! [lacht]
„Aja, Weinachten.“ ist im Kontext des Albums „Ich und mein Bruder“ entstanden. Jetzt habt Ihr gerade einen neuen Song veröffentlich: „IUMB Forever“ mit einem Feature von Alyzah [IUMB steht natürlich für: Ich und mein Bruder]. Eine klare Referenz zur Platte von 2017. Schlagt Ihr ein neues IUMB-Kapitel auf?
Döll: Wenngleich wir uns nach der „IUMB“ stärker auf unsere Solo-Arbeiten und jeweiligen Kollaborationsprojekte konzentriert haben, haben wir stets weiter gemeinsam Mucke gemacht. Vieles davon liegt noch auf Festplatten. Wir dachten, jetzt sei ein guter Moment, um diese Konstellation wiederzubeleben.
Auf der Vinyl-Postkarte, dem physischen Release der Single, ist eine Art Katalognummer abgedruckt: „IUMB 2/01“. Kann man das als Hinweis interpretieren, dass da nächstes Jahr noch mehr Material von Euch beiden gemeinsam erscheint?
Mädness: Hast auf jeden Fall ein gutes Adlerauge … [lacht]
Döll: Die Katalognummer steht dort nicht ohne Grund …
Dann kann man ja dieses Jahr ganz besonders gespannt sein, was vielleicht noch bei „Aja, Weihnachten.“ in der Centralstation auf der Bühne aufgeführt wird. Danke für das Interview – und viel Spaß bei der Show!
„Aja, Weihnachten.“
Die große HipHop-Homecoming-Show mit Mädness, Döll, alten Hits, neuen Songs sowie ausgewählten Gästen und Überraschungen. Als Support bereits bestätigt: Alyzah!
Centralstation (Halle) | Di, 23.12. | 20 Uhr | 41 €
Win! Win! Das P verlost 2 x 2 Tickets









