Foto: Sina Becker, Leonhard Hofmann
Das Jagdschloss KranichsteinFoto: Sina Becker

Meist sind es die Hochhäuser, die einem zu Kranichstein und seinen rund 11.000 EinwohnerInnen einfallen. Aber es gibt weitaus mehr zu entdecken: Sehenswürdigkeiten, Natur, Baukultur und ein vielfältiger Nationalitätenmix. Ein Rundgang kann mit einer kleinen Wanderung durch den Kranichsteiner Forst hinter der Oetinger Villa und dem StudentInnenwohnheim Karlshof beginnen.

Zu Fuß entlang der Fasanerie-Mauer oder mit dem H-Bus geht es Richtung Kranichsteiner Jagdschloss. Wer nicht schon im unberührten  Forst das Gezwitscher der Vögel vernommen hat, dem werden spätestens am rund fünf Kilometer entfernten Renaissanceschloss (ehemals:  Kranichrod) die Augen und Ohren geöffnet. Am kleinen Schlosssee sitzend kann man sich gut der alten Tage erinnern, als Landgraf Georg I. ein Landgut für ein Schloss suchte und es hier fand. Abgesehen davon, dass es damals noch keinen störenden Flugzeuglärm gab. Heute ist das Schloss ein Museum, Veranstaltungsort sowie Hotel und Restaurant mit Freisitz.

Von dort geht es über die Straße in Richtung Messel zum Darmstädter Reitverein. Es duftet nach Pferd, Mist und Stroh. Herrlich! Zwischen Koppeln und einem kleinen Angelteich hindurch sind schon die ersten Hochhäuser zu sehen. Dieser Unterschied zwischen einem zuvor dörflichen Erscheinungsbild, dem so genannten herrschaftlichen Kranichstein, und Neu-Kranichstein mit seinen teilweise 18-geschossigen Bauten, ist beeindruckend. Wieder an einem kleinen See vorbeilaufend erreicht man die Grundstraße 21, wo sich die Stadtteilwerkstatt befindet. Im Zuge des Bund-LänderProgramms “Soziale Stadt” wurde diese Anlaufstelle für alle BürgerInnen 2000 eingerichtet. Denn was in den 70er Jahren als städteplanerischer Siegeszug gegen die Wohnungsknappheit gefeiert wurde, hatte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem prekären Lebensort, einem “Stadtteil mit besonderem Förderbedarf”, entwickelt. Hohe Arbeitslosigkeit, fehlende Infrastruktur und ein großer Migrationsanteil sind nur einige der Gründe für diese Entwicklung. Seit der Einführung des Sozialprogramms hat sich jedoch Einiges getan – teils durch professionelle Akteure, aber auch durch die BürgerInnen selbst. Inzwischen gibt es verschiedene Arbeitskreise und soziale Projekte, Hochhäuser wurden saniert, Spielplätze erneuert und Einkaufsmöglichkeiten geschaffen.

Vom Schlosshotel zum Plattenbau

Foto: Sina Becker, Leonhard Hofmann
Foto: Leonhard Hofmann

Passiert man den Durchgang zwischen Grundstraße Nummer 21 und 23, erreicht man linker Hand die Haltestelle der Straßenbahnlinie 5 auf der Bartningstraße. Hier befindet sich auch eines von zwei Einkaufszentren, das “EKZ am See”, in dem das Eiscafé zu empfehlen ist. Es erinnert an ein Café einer russischen Kleinstadt, inklusive Plastiktischen und -stühlen, und das Eis schmeckt. Im zweiten Einkaufszentrum namens “Fasanerie” gibt es den entsprechenden russischen Supermarkt. Kauft man hier eine Packung Pelmeni und Cmetana, eine Art Sahne, eine Flasche Wodka (oder Saft), ist das russische Abendessen perfekt.

Gegenüber des EKZ am See liegt eine große Wiese, die alljährlich für das gut besuchte Stadtteilfest “Bunte Wiese” genutzt wird. Dann gibt es an dieser Stelle einen Flohmarkt, eine offene Bühne für alle Gruppen und Vereine sowie eine internationale Küche. Auch sonst ist die Wiese immer gut besucht. Kinder und Jugendliche spielen Fußball und die Kleineren tummeln sich auf dem Spielplatz oder besetzen die Gehwege mit ihren Rollern, Inlineskates und Skateboards.

Weiter zwischen den Hochhäusern hindurch liegt eine Grünfläche, die aufgrund des Flugverkehrs nicht mit Wohnhäusern bebaut werden darf. Auffallend in Kranichstein ist, dass es viel Platz, kaum enge Straßen und keine endlosen Häuserzeilen gibt.

Über die Jägertorstraße hinweg geht es weiter in die Elisabeth-Selbert Straße. Hier und in der Herta-Mansbacher-Straße befindet sich Wohnsinn  e.G., ein ökologisches und soziales  Wohnkonzept. Über die Kranichsteiner Straße und eine Eisenbahnbrücke erreicht man die Internationalen  Gärten, die von der Stadtteilwerkstatt initiiert wurden. Das Grundstück ist in einzelne Parzellen eingeteilt und wird von BürgerInnen Kranichsteins bewirtschaftet.

Nun ist der Stadtteil-Rundgänger wieder an der Fasanerie-Mauer angelangt und kann an ihr beglückt und mit neuen Darmstädter Einblicken gefüllt gen Innenstadt laufen.

Artikel drucken Artikel versenden