Foto: Jan Ehlers

Kurz vor dem Vinyl-Release ihrer Platte „Spaces“ am 28. Juli hatte das P die Gelegenheit, es sich mit den Darmstädter Psychedelic-Stoner-Rockern von Trail – Henning (Gitarre), Hergen (Gitarre), Jan (Bass) und Nils (Drums) – im Hof der Tag und Nacht Studios bequem zu machen. Wir sprachen über Einflüsse, Ausflüsse und ungewöhnliche Ansätze beim Songwriting.

Das P: Ihr macht ja schon seit Längerem in Darmstadt Musik, mindestens drei von Euch kenne ich in verschiedenen Formationen seit bestimmt 15 Jahren …

Henning (Hn): 16!

Jan: 18!

Nils: Seit ’99?

 

Gut, kann sich dann ja jeder selbst ausrechnen. Als Trail gibt es Euch seit wann?

Hn: Der Hergen weiß das.

Hergen (Hg): Anfang 2015 so, also etwa dreieinhalb Jahre.

N: So lange schon!

Hn: Und dafür noch nix geleistet.

 

Ja, doch! Eine Platte habt Ihr ja nun draußen. Beim CD-Release Anfang des Jahres war ich auch. Und nun steht ja das Vinyl-Release an.

Hn: Genau. Wir haben die CD selbst pressen lassen und verkauft. Unter anderem im Fünffinger-Shop [des Darmstädter Labels Dyslexie Records], wo es dann auch die Platte zu kaufen geben wird. Letztlich haben wir dann ein bisschen Promo gemacht und die CD überall hin verschickt, das Internet zugemüllt … und so nahm das seinen Lauf.

J: Irgendwie sind wir bei hippiesland.de gelandet, die mit vielen Leuten gerade aus dem Ruhrpott verbandelt sind. Dadurch kam dann der Kontakt mit Andi von Clostridium Records zustande.

N: Der hat uns dann letzten Endes die Platte ermöglicht …

Hn: Und das ist einfach cool! [Gelächter] Wir hatten ja vorher mit Bands wie Madstone und Bootleg Version und vielen anderen was am Start, aber es wurde nie eine Platte draus.

J: Wir haben uns immer bis zum Album-Release hochgearbeitet, dann das Album nicht released und uns aufgelöst.

 

Das hatte ja auch mit Besetzungswechseln zu tun, speziell am Mikrofon.

J: Hing wohl tatsächlich an den Sängern. Seitdem wir es ohne machen, haben wir ein Album gemacht, es veröffentlicht und uns noch nicht aufgelöst!

Hn: Das hat uns auch irgendwie freigemacht. Wir konnten mehr loslassen und freuen uns, dass so was bei rumgekommen ist.

 

Ist auch eine ziemlich geile Platte, ich habe sie seit dem Release sehr viel gehört. Ich habe auch viele durchweg positive Reviews gelesen. Was dürfen die P-Leser denn erwarten, wenn sie sich Eure Platte reinpfeifen?

Hn: Wenn man unsere Platte hört, hört man ein Gesamtkonstrukt. Auch wenn die Reihenfolge zu einem gewissen Maße durch das Format der Vinyl vorgegeben ist.

N: Es geht darum, nicht einzelne Tracks anzuhören, sondern die Gesamtheit. Es sind fünf Songs auf der Platte, zwischen sechs und elf Minuten Länge, da muss man schon offen sein, um sich da treiben zu lassen.

Hn: Wichtig ist Zuhören!

J: Das ist kein amerikanischer Burger, der einem direkt schmeckt.

N: Unsere Intention ist es nicht, besonders eingängige Songs und tolle Hooklines zu schreiben.

Hn: Doch! Es gibt sogar ziemlich coole Hooklines!

Hg: Sie sind aber mehr entstanden, als dass sie konstruiert wurden, das ist der Unterschied.

J: Wir sind noch bei Weedeater, aber noch nicht bei Bongripper.

 

Was hat es mit den Bezeichnungen der Songs auf sich? Die sind ja durchnummeriert von 1 bis 9, wobei die Reihenfolge auf der CD relativ verwirrend ist.

Hn: Das ist Kunst!

J: Ein versteckter Code natürlich!

N: Naja, zum einen liegt das daran, dass wir keinen Gesang und keine Texte haben, aus denen wir die Titel ableiten könnten. Zum anderen liegt das an der Entstehung aus unseren Jams heraus, aus denen dann die Songs wurden, diese haben wir einfach durchnummeriert.

 

Eine chronologische Reihenfolge …

Hg: … der Entstehung der Songs! Wir haben die Songs dann aufgenommen und live gespielt und damit die für uns beste Reihenfolge herausgefunden. Das hat dann wiederum nicht ganz mit dem Vinyl-Format zusammengepasst, hier mussten wir ein bisschen Tetris spielen.

N: Wir wollen die Zuhörer gerade live auf eine Reise mitnehmen, die Stücke gehen ineinander über, man weiß manchmal gar nicht, wann ein Song anfängt und einer aufhört.

 

Nun habe ich ja einiges über die Entstehung und das Konzept gehört, aber was für Musik macht Ihr da eigentlich? Ich finde das in Eurer Bandinfo ganz schön gemacht, ihr führt dort mehrere Begriffspärchen auf wie „Psychedelic meets Stoner“, „Southern Metal meets Alternative Rock“ und „Palm Springs meets Seattle“.

N: Wer hat sich denn den Mist ausgedacht? [allgemeines Gelächter]

 

Nun ja, wie würdet Ihr es denn beschreiben? Instrumental ist klar, das Jammen steht ganz offensichtlich auch im Vordergrund.

Hn: Psychedelic Blues Experience!

Hg: Ich würde das nicht festnageln wollen.

Hn: Das ist einfach Rock …

Hg: … der uns gefällt.

 

Das ist dann wohl der gemeinsame Nenner, Ihr bewegt Euch einfach in den genannten Spannungsfeldern.

N: Eben, wir haben unterschiedliche Hintergründe.

J: Das merkt man auf jeden Fall. Auch Altersunterschiede, Hergen bringt was aus den 80ern mit rein.

Hg: 70er! So jung bin ich auch nicht!

J: Wenn du dich nicht so festlegst, hast du eben auch mehr Spielraum. Es spielt auch rein, dass die Entstehung unserer Songs das Ergebnis eines langen Prozesses sind. Alle haben auch ihre Jobs, zwei haben bereits ein Kind, so ändern sich während des Prozesses vielleicht sogar die eigenen Hörgewohnheiten und Einflüsse.

 

Ein Thema hab ich noch: Euer fantastisches Artwork!

J: Ja, megageil. Das hat Michaela Malcomess gemacht. Auch wieder eine lustige Connection: Ich kenne sie einerseits über das Foodsharing, wo wir beide aktiv sind und andererseits von der GSI, woher auch Nils sie kennt.

N: Ich hab ihr Material gesehen und fand das super! Deshalb haben wir direkt gefragt, ob sie uns ein Cover zeichnen würde. Ich habe ihr als Thema „Pilze“ genannt – und schon hat sie drauflos gezeichnet. Denn Funghi sind immer gut. [allgemeines Gelächter]

Hn: Wieso haben wir die Platte eigentlich nicht „Funghi“ genannt?!

N: Jedenfalls hat Michaela viel mehr als nur das Cover der Platte gezeichnet. Da gibt es zum Beispiel bei der LP mehr zu sehen als bei der CD. Ebenso hat sie Poster, Taschen und T-Shirts gestaltet.

 

Bevor wir zum Ende kommen: Habt Ihr noch ein paar letzte Worte?

Hn: Wir wollten uns nochmal bei ganzen Team der Tag & Nacht Studios, speziell bei Patrick Zehner, und der ganzen Community drumherum bedanken! Hier können wir jetzt schon unser zweites Release feiern.

N: Christian von Tag & Nacht Media dreht gerade ein Video für uns – auch wenn er stöhnt. Vielleicht ist das zum Erscheinen des Interviews ja schon fertig.

 

Da drücke ich die Daumen! Danke Euch und bis bald!

 

Psychedelic Vinyl

Trail „Spaces“

Erschienen: Juli 2018 bei Clostridium Records (CR 039)

Limitiert auf 500 Stück (160 x Black 180g, 215 x Coloured 180g, 125 x Special inklusive A2-Poster)

www.trailmusic.de

www.facebook.com/trailart

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