Foto: Nouki

Einst von Taktikfreaks mit Hang zur Selbstüberschätzung ins Fußballtrainer-Dasein eingeführt, um etwaigen, vom Gegner angeheuerten Lippenlesern keine Chance zu geben, spielbewegende Informationen erhaschen zu können, mäandert diese Geheimniskrämerei durch den aktuellen Profifußball.

Es gibt sicherlich Geheimnisse unter Co- und seinem Trainer, wie die Elf neu zu formieren sei: Offensive rein, Kettenwechsel und Ähnliches – doch das Gemauschel der Fußballbundesligaprofis auf dem Platz und beim Verlassen desselben wirft für mich ein paar Fragen auf. Eigentlich eher Antworten: Die Spieler haben den Sinn nicht verstanden. Selbstreflexion ist ihnen unbekannt. Sportakademien offenbaren Defizite.

Was soll man denn hinter vorgehaltener Hand grinsend dem Mitspieler zuraunen, was man nicht auch so kundtun könnte? „So schlecht, wie die sind, hauen wir denen mindestens noch drei Dinger rein?“ „So blöd, wie die sich eben angestellt haben – das probieren wir gleich genauso noch mal?“ Letzteres würde ich ja sogar noch als Taktiktipp durchgehen lassen. Aber zu glauben, das könne man nicht ebenso dem Kollegen offen zuraunen, weil man für den mit seinem Fernglas auf der halbgefüllten Tribüne lauernden Lippenleser in Liga 3 leichte Beute würde, ist lächerlich. Keine Sau interessiert, was Hinz zu Kunz auf dem Platz sagt. Und unhöflich ist es zudem.

Vielleicht sind das ja alles so Materazzi-Aussagen – über Familie und Beziehungen des Gegenspielers, Obszönitäten, Derbheiten, Sprüche unter der Gürtellinie, welche die Herren da hinter vorgehaltener Hand austauschen. Würde die Sache auch nicht besser machen. Und glauben tue ich es ohnehin nicht.

Die sind alle so unglaublich langweilig. Keiner möchte sie so sozialisiert wissen, dass sie sich verhalten wie Jens Lehmann, doch sollte das letzte „Aus-dem-Rahmen-Fallen“ tatsächlich die Pokergeld-im-Taxi-vergessen-Nummer von Max Kruse gewesen sein? Oder gab es da noch was? Allein überlegen zu müssen erübrigt eine Antwort.

Meines Erachtens ragt momentan der jeweilige Mannschaftsclown deswegen aus der Truppe heraus, weil er sich traut, die Musikliste abzuspielen. Mehr ist da nicht an Fantasie. Nicht, dass man in den Zimmern der Spieler Poster von Günter Netzer aufhängen sollte, oder den lustigen Herr Littbarski für eine Nacht zum Abfärben ins Bett legen. Ganz zu schweigen davon, eine DVD mit allen Gascoigne-Events auf den Esstisch zu legen, aber vielleicht könnte ganz einfach jemand den Spielern Informationen zu Lukas Podolski aufs Smartphone schicken. Von mir aus auch ein Video von Matthäus, wie er gerade rumschreit. Am besten: „Hier wird nicht getuschelt!“

 

Anmerkung der Redaktion:

In Ausgabe 183 (Mai 2026) hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen: Versehentlich wurde ein fehlerhafter Text dieser Kolumne im Heft abgedruckt.