Foto: Uppercut

Seit 1992 steht Uppercut für meist basslastige und exzessive Partys an unterschiedlichen Orten im Raum Darmstadt. Elmar Compes (45) und Florian Hierer (40) sind Uppercut, also das Team, das durch altbewährte, aber immer auch neue Ideen Darmstadts Nachtleben dauerhaft inspiriert. Auf einer Hollywoodschaukel im mediterranen Weststadtcafé plaudern sie mit uns über den Notting Hill Carnival, das verblichene Extasis und den schmalen Grad zwischen Motivation und Frustration.

„Das Weststadtcafé ist alles in allem vielleicht unsere liebste Location“, schwärmt Elmar Compes im Zwielicht der Abenddämmerung, „halboffen, halbüberdacht – das funktioniert atmosphärisch eigentlich immer.“ Angesichts von 29 Uppercut-Locations in 25 Jahren keine leichte Wahl – darunter waren Größenordnungen wie Centralstation und Schlossgrabenfest, aber auch Kiesgruben, idyllische Waldlichtungen oder die Kultkneipe Herkules.

25 Jahre, 29 Locations

1992 begannen Elmar Compes und Arne Cornelius (seit längerem nicht mehr dabei) unter dem Namen Uppercut erste kleinere Partys zu organisieren. Der Begriff Uppercut steht eigentlich für eine Schwingtechnik im Boxen, Compes erklärt aber: „Der Name sollte mit Cut [DJ-Technik] zu tun haben und in der Verbindung mit dem Wort „Upper“ klang das super.“

Im Extasis tropfte der Schweiß von der Decke

Fünf Jahre später stieß Florian Hierer zum Team, als Arne und Elmar gerade die neue Partyreihe „next level“ in der Krone starteten. Eine Weiterführung der „DJ Unity”-Reihe mit dem Anspruch auch überregionale Acts zu buchen. Zusätzlich kam das Extasis (im Untergeschoss des Mengler-Baus auf dem Friedensplatz) als regelmäßige feste Eventlocation hinzu. „Das Extasis war für uns fortan bis zur Schließung ein legendärer Ort. Relativ klein und eng kam da schnell Stimmung auf und der Schweiß tropfte von der Decke. Die Pächter, die das später als Waben oder Viva El Sol ineffizient bewirtschafteten, hatten einfach kein richtiges Konzept“, blickt Hierer zurück.

Wichtig ist Compes und Hierer nicht nur die Location, sondern auch ein Stilmix unterschiedlicher Genres. „Ich finde es spannend, den Leuten auf mehreren Floors völlig unterschiedliche Tanzmusik zu bieten. Damals, 1992, kamen gerade Jungle und Drum’n’Bass auf, was uns völlig kickte. Aber genauso immer auch Reggae, Ragga und HipHop … alles, was irgendwie mit Bass zu tun hat, passt zu Uppercut“, summiert Compes die Genre-Vielfalt. „Mit der von uns organisierten Reihe „Zehn Jahre Zehn DJs“ hier im Weststadtcafé kommen dann auch Soul, Funk, Indie oder sonst was ins Spiel. Es ist einfach geil, wenn in einer Nacht an einem Ort so viele unterschiedliche DJs aufeinander treffen“, ergänzt Hierer.

Ihre Uppercut-Partyreihen laufen daher je nach Ausrichtung unter verschiedenen Subtiteln – namentlich sind das: It’ A Bassline Ting, Zehn Jahre Zehn DJs, Happy Daze, Reggae Allstar Yard, Soundclash, Men in Black, DJ Unity, Next Level, P am See, Uff de Gass, Never Change A Winning Team. Dabei laden sie immer wieder auch überregionale (wie Das Bo oder Denjo von den Beginnern) oder gar internationale DJs (wie Bailey, Royalt T und Mighty Crown) ein. „Wir haben hier zwar eine sehr gute DJ-Szene, aber man darf nicht immer im eigenen Saft schmoren. Wir sind ja immer wieder gerne beim alljährlichen Notting Hill Carnival in London [ähnlich „Karneval der Kulturen“ hierzulande], wo der neueste und geilste Scheiß in Sachen Bass-Musik gespielt wird. Das inspiriert uns immer neu und da trifft man DJs, die man saugerne auch mal in Darmstadt erleben würde“, schwärmt Hierer. Und wenn es sonst keiner macht, machen sie es eben selbst: „Das rechnet sich zwar meist nicht und ist in der Summe oft echt anstrengend, aber: Wir wollen, dass hier was passiert!“

Rückblickend ist den beiden neben viel Euphorie auch mancher Frust nicht erspart geblieben. „Wenn du dir echt tage-, manchmal wochenlang den Arsch aufreißt und Kohle hinbutterst und dann kommen am Abend irgendwelche Typen, die nur rummaulen, denen das Bier zu teuer ist, denen die Musik nicht passt … ey, dann könnt’ ich manchmal [schnauft] … Leider wird das immer schlimmer. Das junge Publikum ist total wählerisch und will nur noch bedient werden, als wäre so eine Veranstaltung eine Dienstleistung“, ärgert sich Compes. Hierer ergänzt: „Das Party-Publikum hat sich schon verändert. Die haben alle viel mehr Ablenkung durch Videogames, Social Media und dergleichen als wir früher. Totale Reizüberflutung. Und wenn die dann wirklich mal auf eine Party gehen, stellen sie Ansprüche. Den Aufwand dahinter nehmen die oft gar nicht wahr.“

Jubiläumsparty statt Kulturpessimismus

Trotz des dezent einsetzenden Kulturpessimismus sehen sie auch gute Leute nachrücken und werden selbst – wenn auch altersbedingt etwas reduzierter – als Uppercut weitermachen. „Der Spirit ist aber bei den meisten jungen Leuten weiterhin genauso da. Nicht bei allen, aber es kommen immer wieder neue coole und talentierte Leute hinzu, die wir auf unseren Partys antreffen“, erzählt Compes. Und die Vorfreude auf ihre Jubiläumsparty ist immens: „Wir laden unsere liebsten Darmstädter DJs ein und geben ihnen eine Favoriten-Playlist von uns, die sie quasi abarbeiten müssen. Wir drücken denen dann auch Genres auf die Nase, die sie sonst eher nicht im Repertoire haben. Das wird saulustig“, grinst Hierer abschließend.

 

„25 Years uppercut! keep the fire burnin!“

Line-up: Special guest from London, Double D (House), Lukas Lehmann (HipHop/Grime), Manges (Disko), Phonk D (Drum’n’Bass/Jungle), Manu Elvis (R’n’B), Readymix Dave (Reggae/Dancehall), Jan Käseberg (TripHop) | Riot + Urban Soul (Carnival Best of) | Einzman + Companheiro Leao + New Sound Order (Uppercut Classics Dancehall & Dubstep)

Weststadtcafé | Fr, 15.09. | 22 Uhr | 6 €

https://www.facebook.com/uppercut.de

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