Foto: Karina Wellmer-Schnell, VG BildKunst
Foto: Karina Wellmer-Schnell, VG BildKunst

Von P zu P hangeln wir uns entlang an der vorhandenen und stetig sprießenden Vielfalt von Orten, die Darmstadt für uns besonders machen, sei es aus emotionalen oder gestalterischen Gründen. Die Themen sind unerschöpflich. Umso mehr freut uns die Bekanntschaft eines Buches, welches daumenkinoartig Darmstadt und seine besonderen Orte in vollster Pracht entfaltet. Balsam auf der Seele derer, die am Bahnhof stehend ihre Freunde verabschieden, die sich nach Berlin oder London absetzen. Ein innerlicher Jauchzer für diejenigen, die es vielleicht fühlen, aber nur schwer in Worte fassen können, dass auch diese unsere Stadt mit dem unsäglichen Namen liebenswert ist: „Stadt der Künste – Darmstadt – 25 Jahre Kunstarchiv“ heißt das kleine Buch, welches fast in eine Hosentasche passt und dennoch prall gefüllt ist mit Orten, Momenten und Augenblicken, die besonders sind.

Das Büchlein ist der Reiseführer für jeden, der den Blick für dasKunstvolle, das Spontane oder das etwas Andere in unserer Stadt wahren möchte. Erlebtes, Bildliches und Kunst reihen sich hier aneinander und begegnen sich. Zum 25. Geburtstag des Kunst-Archivs Darmstadt (das P hat berichtet und ein Exemplar „Stadt der Künste“ verlost) geben Gerd Ohlhauser und Monika Golla mit diesem Foto-Bilder-Buch den Blick frei auf die Vielschichtigkeit der Kunst in Darmstadt.

Anfang des 20. Jahrhunderts warb man in Darmstadt auf dem Poststempel mit: „In Darmstadt leben die Künste.“ Einhundert Jahre später hat sich das Marketingkonzept „Wissenschaftsstadt“ durchgesetzt und provozierte Ohlhauser zur Suche nach der Kunst und ihren Spuren im Hier und Jetzt. Nach gerade einmal zwei Monaten Recherche kam die im Buch dokumentierte Fülle an über 250 Bildern zusammen. Besonders ist dabei der Blickwinkel vieler Fotos, durch den scheinbar Alltägliches zum Kunstwerk wird. Gezeigt wird die Schönheit von Dingen, Ecken und Momenten an Orten, die oftmals gar nicht wahrgenommen werden, obwohl sie einem tagtäglich begegnen. Erst dadurch kommt deren Poesie zum Vorschein.

Reizvoll ist zum Beispiel der Blick auf die Fassade des KGH-Gemeindehauses in der Nieder-Ramstädter-Straße: eine moderne Adaption eines klassischen Kirchenfensters, bei dem sich die natürlichen Strukturen der Vegetation mit den Strukturen des „Glasornaments“ überlagern und sich dadurch verbinden. Bei den bewachsenen ehemaligen Ateliers der Georg-Büchner-Schule verbindet sich ebenfalls die Natur mit der Architektur, hier jedoch ganz unmittelbar, nach dem Motto „Natur findet Stadt“.

Sehenswert sind auch die alternierenden Wandgestaltungen an der Hochschule im Olbrichweg. Hier würde man gerne mit freundlichen Grüßen warten wollen. Festgehalten ist auch der Moment von hunderten lachender Familien auf einem roten Teppich mitten im Wald. Der Bildtext verrät: Sie schauen ein Kindertheaterstück vom Theater „die stromer“ oben auf dem Herrgottsberg. Hier könnte man untertiteln „Stadt findet Natur“.

Auf den letzten Seiten des Buches, im „Verzeichnis der Künste“, ist alles zusammengetragen, was es in Darmstadt zum Thema gibt: Museen, Galerien und Projektorte, Atelierhäuser, Kunstpreise, Vereine, Kreise, Stiftungen, Architektur, Design, Fotografie, Film, Kino, Theater, Literatur, Musik und Veranstaltungsorte. Praktisch!

Die Existenz einer beeindruckenden Vielfalt ist in „Stadt der Künste – Darmstadt“ schwarz auf weiß dokumentiert und farbenfroh fotografiert. Die Kunst sprießt an allen schönen und hässlichen, an allen repräsentativen und auch an den unscheinbaren Ecken dieser Stadt. Sie verstreut ihre Sporen überall. Sie ist Potential unserer Stadt – und sie verdient unseren Blick. Damit sie weiter blühen und (uns ans Herz) wachsen kann.

 

Buntes Darmstadt

Gerd Ohlhauser und Monika Golla: „Stadt der Künste – Darmstadt“, Surface Book, Darmstadt Erhältlich in allen guten Buchläden dieser Stadt. 9,95 Euro
ISBN 978-3-939855-13-2

Foto: Karina Wellmer-Schnell, VG BildKunst
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