Foto: SV Darmstadt 98

Auf den letzten Drücker verpflichteten die 98er zuletzt den Serben Ognjen Ozugovic und den Südkoreaner Seung-ho Paik. Da werden Erinnerungen wach an zwei legendäre Landsleute der beiden, die einstmals das Trikot mit der Lilie auf der Brust trugen: Zivo Juskic und Bum-Kun Cha. Ausländische Fußballer wie sie waren und sind beim SVD das Salz in der Suppe.

Bum-Kun Cha reichten 78 Minuten im Lilientrikot aus, um in der Bundesliga mal so richtig Eindruck zu hinterlassen. In der Saison 1978/79 spielte er nur einmal für die 98er, bevor er nach Südkorea zurückflog, um „noch einiges zu erledigen“ – die Vollendung seines Wehrdienstes zum Beispiel. Nach seiner Rückkehr war der SVD jedenfalls abgestiegen. Da schnappte die Eintracht zu und holte ihn für 200.000 Mark nach Frankfurt. Ein Jahr später durfte sich Cha Europapokalsieger nennen. In den 80ern zählte der Chinese Guangming Gu zu den Lilienkickern, die mit dem Ball definitiv nicht auf Kriegsfuß standen. In den sagenumwobenen Relegationsduellen gegen den Waldhof brachte er als Einwechselspieler immer wieder Leben ins Spiel der 98er.

Elton & Evandro & Che

Auf ewig mit dem Namen Elton da Costa verbunden sein wird die jüngste Renaissance der Lilien. Sein Last-Minute-Siegtreffer in der Relegation gegen Arminia Bielefeld hat sich ganz fest auf der Festplatte aller Lilienfans eingebrannt. Doch er war beileibe nicht der einzige Brasilianer beim SVD. Neben Mano Pölking gab es beispielsweise noch José Evandro Schmidt („Ich liebe Darmstadt für immer!“). Ein Stürmer, der so gar nicht brasilianisch wirkte, der aber durchaus wusste, wo das Tor stand. Etwa beim siegreichen Hessenpokalfinale 2001, nach dem er sich tränenreich verabschiedete. Ein Ex-Kicker mit der Lilie im Herzen ist ein Argentinier: Esteban Matías „Che“ Cenci. Nach seinem ersten Engagement am Bölle traf er mit Wehen auf die Lilien, verweigerte aber aus Respekt den Torjubel. Und als er als Fußball-Rentner schon fast im Flieger in die Heimat saß, hängte er noch ein halbes Jahr in Darmstadt dran und half mit, die Weichen für den späteren Aufstieg in die 3. Liga zu stellen.

Joevin & David & Terrence & Preston

Auch von weiter nördlich verschlug es bereits Spieler zu den Lilien. Bis vor Kurzem Joevin Jones aus Trinidad & Tobago. Sein Kopfballtor gegen Heidenheim zum 1:1-Endstand im Februar 2018 sollte der Beginn einer erfolgreichen Aufholjagd im Zweitligaabstiegskampf sein. Im Mai kehrte er zu seinem alten Klub in den USA zurück. US-Boys trugen ebenfalls schon Blau und Weiß. Da wären die in Deutschland geborenen David Wagner und Terrence Boyd, aber auch Preston Zimmerman. Er war vor einem knappen Jahrzehnt ein Lichtblick in einer ansonsten mauen Offensive und überzeugte auch kämpferisch.

Amaechi & James & Henry & Leon

Die 98er hatten schon erstaunlich viele Nigerianer unter Vertrag. Allen voran Amaechi Ottiji, der 1998 einen gehörigen Anteil am legendären 3:2-Erfolg bei den Offenbacher Kickers hatte. Oder James „Bratwurst“ Enuagwuna. Die Chemie zwischen dem Mittelfeldspieler und Coach Lothar Buchmann wollte 1997 jedoch so gar nicht stimmen. Als er vor einem Auswärtsspiel ein Brötchen von der Tanke frühstückend zur Abfahrt kam, bootete ihn Buchmann aus. Er fuhr seinem Team aber hinterher und aß auf der Tribüne bei den Fans eine Bratwurst – fertig war der Spitzname, der Spieler anschließend aber auch weg. Henry Onwuzuruike hinterließ dagegen auf dem Platz einen positiven Eindruck. 2011 gab er die Vorlage zum entscheidenden 2:1-Siegtreffer in Worms, der den Weg zum Drittligaaufstieg ebnete. Auch Leon Balogun zählte zu einem Aufsteigerteam: 2015 enterten die 98er mit ihm die Bundesliga, woraufhin er in Mainz und England seine wiederbelebte Karriere fortsetzte.

Torben & Ronald

Aus nördlicheren Gefilden kamen gleichfalls schon ein paar Typen zum SVD. Der Däne Torben Hjermitslev verstand es vortrefflich Freistöße zu treten. Unter anderem 1998 bei besagtem Spiel am Bieberer Berg. Nur eine Minute nach seiner Einwechslung klingelte es im Kasten der Kickers und die Basis für den späteren Sieg war gelegt. Und dann wäre da noch Rasta-Stürmer Ronald Hoop. Der Niederländer wirkte zwar immer etwas ungelenk, zeigte aber stets Einsatz und knipste fleißig.

Ignjac & Zivo & Slobodan & Luca

Auch zwischen den Pfosten stand schon ein denkwürdiger Legionär: Der Serbe Ignjac Kresic hütete in den 90ern das Tor und hatte aufgrund seiner Leistungen und seines Charakters bei die Fans rasch einen Stein im Brett. Wohl kaum jemand pflügte den Platz am Bölle so um, wie Kresics Landsmann Zivo Juskic. Traf der langjährige Kapitän nicht den Ball, dann musste schon mal das Schienbein des Gegners dran glauben. 2016 trugen die Abwehrrecken Slobodan Rajković (ebenfalls: Serbe) und Luca Caldirola maßgeblich zum Bundesliga-Klassenerhalt bei. Während der Italiener anschließend (unfreiwillig) zu Werder zurückkehrte, wollte Rajković unbedingt weg – und schloss sich im Trainingslager einfach mal in seinem Zimmer ein.

Rafa & Hamit & Aytaç

Unvergessen natürlich der Spanier Rafael Sanchez, einer der erfolgreichsten und prägendsten Spieler der 1980er-Jahre. Oder die beiden Deutschtürken Hamit Altintop und Aytaç Sulu! Altintop deutete ein halbes Bundesligajahr an, wie überragend man im Liliendress Fußball spielen kann, während Captain Sulu eines der Gesichter der Lilien-Rückkehr in den Bundesligafußball war.

Zdenek & Ludek & Richard & Milan

Zdenek Nehoda, der Europameister aus Prag, kam Anfang der 80er als großer Name ans Bölle, wusste aber nicht so recht zu überzeugen. Sein Landsmann und Libero Ludek Macela, der geholfen hatte, Nehoda zum SVD zu lotsen, blieb den Lilien länger treu und beendete hier seine Karriere. Mit Richard Hasa und Milan Ivana zählten zwei Slowaken in jüngerer Zeit zum Inventar der 98er. Richie als treuer Verteidiger und späterer Juniorencoach, Milan als Flügelspieler mit feinem Fuß. 2011 ließ schlussendlich ein französischer Neuzugang aufhorchen: Dimitry Imbongo Boele. Einen besser klingenden Namen hätte man sich am Bölle nicht vorstellen können. Eine bessere Torausbeute allerdings schon.

 

Festung Bölle!

Sa, 28. September, 13 Uhr: VfL Bochum – SVD

Fr, 04. Oktober, 18.30 Uhr: SVD – Karlsruher SC

Sa, 19. Oktober, 13 Uhr: St. Pauli – SVD

Fr, 25. Oktober, 18.30 Uhr: SVD – Erzgebirge Aue

Di, 29. Oktober, 20.45 Uhr (DFB-Pokal, 2. Runde): SVD – Karlsruher SC

www.sv98.de

 

Matthias und der Kickschuh

Seit Ende 2011 schreibt Kickschuh-Blogger Matthias Kneifl über seine große Leidenschaft: den Fußball. Gerne greift er dabei besonders abseitige Geschichten auf. Kein Wunder also, dass der studierte Historiker und Redakteur zu Drittligazeiten begann, über die Lilien zu recherchieren und zu schreiben. Ein Resultat: das Taschenbuch „111 Gründe, den SV Darmstadt 98 zu lieben“, das (auch in einer erweiterten Neuauflage 2019) im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen ist. Seit Juli 2016 begleitet Matthias gemeinsam mit vier Mitstreitern die Lilien im Podcast „Hoch & Weit“. Genau der richtige Mann also für unsere „Unter Pappeln“-Rubrik!

www.kickschuh.blog

 

Seit Ende 2011 schreibt Kickschuh-Blogger Matthias Kneifl über den Fußball im Allgemeinen und die Lilien im Besonderen. Der Historiker und Redakteur steckt auch hinter dem Taschenbuch „111 Gründe, den SV Darmstadt 98“ zu lieben, das im Frühjahr 2019 in einer erweiterten Neuauflage erschienen ist. Zudem babbelt er noch beim Lilien-Podcast “Hoch & weit” mit. Genau der richtige Mann also für unsere Rubrik „Unter Pappeln“!

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