Heineraudio – in der Darmstädter Party-Szene längst durch furiose Open Airs und durchzechte Nächte bekannt – will am 1. Mai mit dem neuen Event „999“ weiter Limits pushen. Zwei Mitglieder des achtköpfigen DJ-Kollektivs – und Labels – Heineraudio haben sich bequatschen lassen und in die Blackbox gewagt: Kev alias Placebo Sex (31) und Mihaly (30).
Zusammen haben wir über ihre musikalische Reise, Partys auf dem Bismarckturm, Frankfurt vs. Darmstadt und das erste offiziell und legal stattfindende Heineraudio „999“ Open Air gesprochen. Die restlichen Mitglieder des DJ-Kollektivs – Tony G (31), Fabio Araneda (32), DJ Volvic (31), Máté Sí (30), Alina Stark (27), Mombrecht (26) – hatten entweder keine Zeit, waren verreist oder zu schüchtern.
Gude Jungs, könnt Ihr Euch und Eure Rolle bei Heineraudio kurz vorstellen?
Mihaly: Ich bin Jan Mihaly, ja fast schon der Neuzugang – jetzt drei Jahre bei Heineraudio offiziell dabei. Wir sind schon immer Freunde gewesen, dann habe ich irgendwann selber angefangen, Platten zu sammeln und aufzulegen.
Placebo Sex: Ich bin Kev, mein Künstlername ist Placebo Sex. Dem geschuldet, dass ich es mag, die Zuhörer durch die Ohren zu kitzeln, ins Gehirn rein … und das nenne ich ganz nett: Orgasmus. Es soll halt kribbeln und auf dem Dancefloor soll etwas Extensives mit einem passieren. Ich mache Musik, seit ich 15 bin, das sind jetzt fast 18 Jahre. Heißt: Ich bin jetzt quasi DJ-erwachsen geworden.
Wie sah der Gründungsprozess von Heineraudio grob aus?
Placebo Sex: Angefangen haben wir mit „Dub-Delirium“. Bis zum Break, als unser damaliger Sound – der Dubstep – für uns zu kommerziell wurde. Wir haben das Projekt fallen lassen, uns aber nicht ausgeruht, sondern zurück zu den Wurzeln gefunden, nämlich zu House und Techno. Die Ex-Dub-Delirium-Crew hat dann nach und nach angefangen, Open Airs irgendwo im Wald – meistens illegal – zu organisieren. In den Clubs hat es für uns damals noch keinen Platz gegeben.
Könnt Ihr Euch an Euer erstes Heineraudio Open-Air erinnern?
Placebo Sex: Auf dem Bismarckturm 2019 war auf jeden Fall das erste große Open Air.
Mihaly: Das waren auch so meine ersten Open Airs, die ich von Heineraudio miterlebt habe. Besonders an die „Funktion-One“ [hochwertige Lautsprecher aus GB] kann ich mich erinnern. Die habe ich damals noch nie wirklich hören können und deshalb war das für mich damals schon von Heineraudio herausragend.
Placebo Sex: Das war schon immer das Hauptding, dass man Musik halt einfach fühlen muss. Elektronische Tanzmusik basiert darauf, dass sie in Dein Gehirn und in Deinen ganzen Körper eindringen kann und Dich zum Resonieren bringt, also der Körper und der Boden dürfen auf jeden Fall wackeln.
Mit den Jahren habt Ihr Eure Fühler dann mehr und mehr nach Frankfurt ausgestreckt. Was macht für Euch denn die Party- und Kultur-Szene in Frankfurt so attraktiv?
Mihaly: Einfach neue Gesichter zu sehen, neue Sounds zu hören. Die spielen schon ihren eigenen Sound, natürlich macht es Spaß, sich in Frankfurt inspirieren zu lassen.
Placebo Sex: Frankfurt ist für uns schon immer interessant gewesen, weil wir dort eine Fläche gehabt haben, in der wir ausnahmsweise legale Open Airs organisieren konnten. Wir hatten leider nie richtig guten Zugang zur Clubkultur. Im Frankfurter Ostpark besitzt ein guter Freund einen Schrebergarten. Dort haben wir dann angefangen, Open Airs auf einem legalen Wege zu feiern. Wir konnten in Frankfurt schon einen heftigen Maßstab setzen und auch die Leute dort mit unserem Sound mitreißen. Nach dem Motto: Ihr Darmstädter seid eigentlich nur aus dem Vorort, aber bei Euch geht ja richtig einer ab.
Und andersrum: Was schätzt Ihr an den Open Airs in Darmstadt, was in Frankfurt so nicht gehen würde? Was kann Euch Frankfurt nicht geben?
Mihaly: Für mich ist es das spontane Planen von Open Airs. Innerhalb von drei, vier Tagen ein Event auf die Beine zu stellen, wie Silvester 2024 im Verlegerviertel.
Placebo Sex: Frankfurt ist groß, Frankfurt hat einfach viel mehr Clubs zu bieten. Ich meine, wir waren in Darmstadt schon immer recht verwöhnt. Für die Größe der Stadt hatten wir echt viele Clubinstitutionen, was aber dazu geführt hat, dass die sich untereinander eigentlich immer leer gemacht haben. Also, viel zu wenig Absprache untereinander …
„Es braucht keine großen Namen und geht auch mit lokalen DJs.“
Ihr habt mittlerweile nicht nur etliche Gigs und Releases hinter Euch, sondern auch zwei Jahre in Folge auf dem Contrast eine eigene Stage bespielt. 2025 konnte aus verschiedenen Gründen kein Contrast Festival auf dem Jugendhof Bessunger Forst stattfinden. Nun kommt Ihr mit dem neuen Event ums Eck – gleiche Zeit, gleicher Standort. Warum wird aus Eurer Sicht das Heineraudio „999“ Open Air kein Contrast 2.0?
Mihaly: „999“ wird für sich stehen. Ich schätze, es wird ein typisches Heineraudio Open Air, nur auf legalem Wege und gut organisiert. Einfach ein geiler Sound mit einer geilen Anlage.
Placebo Sex: Ich denke, dass wir zusammen mit dem Contrast Festival ein extrem großes Zeichen gesetzt haben. Wir haben gezeigt, dass so etwas einfach funktionieren kann, keine großen Namen braucht und es auch mit lokalen DJs geht. Ein perfekter Zusammenschluss von dem, was Darmstadt eigentlich nie hinbekommen hat: Zusammen etwas anzugehen. Dieses Loch konnten wir als Heineraudio nicht ungefüllt lassen. Durch unseren guten Draht zum Bessunger Jugendhof entstand die Möglichkeit, ein neues Open Air auf die Beine zu stellen. Für uns geht es ums Zusammenkommen und darum, dieses Gefühl des Klassentreffens noch einmal zusammen erleben zu wollen.
Ihr habt neben fünf DJs auch zwei Live-Acts angekündigt. Auf welche Acts darf man sich freuen?
Placebo Sex: Die Band Gang of Fear von unserem absoluten Neuzugang Máté Sí sowie eine kleine Sahneschnitte aus Darmstadt [gemeint sind Nouki und Jule alias Accent Circonflexe] werden zum Start des Festivals auftreten.
Nennt mir einen Grund, warum kein Heiner sich das „999“ Open Air am 1. Mai entgehen lassen darf.
Placebo Sex: Es ist der geilste Rave des Jahres. Ich meine, wir hatten bisher eine Sonnen-Edition und eine Regen-Edition gehabt. Jedes Mal war es episch. Egal, welche Edition dieses Jahr auf uns zukommt: Wir werden alle einen geilen Tag haben.
Gibt’s noch Tickets?
Placebo Sex: Das Kontingent ist – wie der Name schon verrät – auf 999 Tickets begrenzt. Momentan [Mitte April] sind wir in Phase 2 des Vorverkaufs und zu 70 Prozent „sold out“ … also Tickets kaufen gehen!
Nichts wie ran da! Danke für das gute Gespräch, Placebo Sex und Mihaly.
Heineraudio presents: 999 Open Air
Jugendhof Bessunger Forst | Freitag, 1.5. | ab 12 Uhr | 35 €
„12 hours in the forest“, zwei Bands & fünf DJs, „Funktion-One“ Soundsystem







