16-07-09-Hörspiel
Foto: Mathias Hill

Das Heinersche Fest der Feste steht unmittelbar vor der Tür – und es steht ein Präsidentenwechsel an. Am Heinerfestmontag übergibt Günther Metzger das Zepter an Hans-Joachim „Little“ Klein, der unserer kleinen Innenstadtfeierlichkeit ab 2010 vorstehen wird. Ob der ehemalige Top-Schwimmer, Wirtschaftsingenieur und Landrat (in der Reihenfolge) sich nach elf Jahren Leipziger Exil noch in Darmstadt auskennt, wird das Hörspiel weisen …

 

The Beach Boys „Surfin’ USA”

Erste Top-Ten-Single der Surf-Band um Nicht-Surfer Brian Wilson..

Da fangen Sie ja richtig an! Ich hab ja in Amerika studiert [Anm. d. Red.: An der University of Southern California], da haben die auf dem Straßenfest in Los Angeles gespielt, als kleine Band, kurz bevor sie weltbekannt wurden. Das ist ’ne Traumgruppe. Ich kenne alle Orte, die die besingen. In Kalifornien damals, das war so ’62 / ’63, das war Highlife. Ich hatte Kontakt zu den ganzen Surfern. Wenn mich heute die Sehnsucht packt, leg’ ich die Beach Boys auf. Musik ist ja sehr stark mit Erlebtem verbunden. Bei manchen ist es das erste Knutschen, bei mir ist das die Verbindung mit der Lockerheit des kalifornischen Lebensstils. Auch wenn die eigentlich sehr oberflächlich sind: Als ich mit meiner Frau 20 Jahre später in Kalifornien war, wurde ich total überschwänglich in einem Coffee Shop begrüßt. Da fragte ich sie, ob die mich von damals noch kennen. Aber das war die ganz normale Begrüßung dort unten …

 

Oliver Onions „Flying through the Air“

Die beiden italienischen Brüder Guido und Maurizio de Angelis machten sich in den Siebzigern einen Namen durch Soundtracks, vor allem denen zu Bud-Spencer-Filmen. Hier ihr größter Hit, aus „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ (1972).

Das Lied kenn’ ich, aber fragen sie mich nicht n…

Das ist von einem Soundtrack. Mich interessiert aber weniger der Interpret als der Hauptdarsteller, ein gewisser Bud Spencer…

Ach ja … der hat mal im Aktuellen Sportstudio gesagt, ich sei ein guter Freund von ihm. Es hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass das eine Verwechslung war, er meinte Herbert Klein [Anm. d. Red.: Herbert Klein und Carlo Pedersoni alias Bud Spencer schwammen 1952 bei den Olympischen Spielen in Helsinki, „Little Klein“ dagegen ’60 in Rom und ’64 in Tokio, sehr erfolgreich übrigens]. Dieser Ruhm hat mich bei allen, die ihn mögen, etwas höher gesetzt …

Aber Sie hatten keine Ambitionen eine ähnliche Karriere zu machen wie Bud Spencer?

Nein, nix da! Ich hab was Anständiges gelernt.

 

Fred Hill „Heinerfest-Boogie“

Der unvergessene Fred Hill (warum ist eigentlich noch immer keine Straße nach ihm benannt?) singt DAS Lied zum Fest, zu finden auf dem dritten DAXL-Darmstadt-Sampler, aus dem Jahr 1992 – natürlich mit der kompletten „Krone“-Gang aufgenommen…

[hört erst aufmerksam zu, lacht dann] Das hab‘ ich schon zwei Mal gehört … sehr pfiffig … es ist so monoton, dass es schon wieder lustig ist. Fred Hill ist ja schon in den Sechzigern ’ne Institution gewesen. [Fred singt, dass wir alle Heiner sind: „der Vater, der Mutter, der Onkel, der Tante…“] Seh’n se mal was das Heinerfest schafft: Alle sind Heiner!

 

The Beatshots „Stronger“

Ambitionierte Darmstädter Indie und Heinerfest-Band, insofern in Kleins zukünftigem Kernkompetenzbereich. Würden Sie solch eine Band auf dem Heinerfest spielen lassen?

Ich glaube, dass so ’ne Band ’ne gute Stimmung verbreitet. Das ist mehr was fürs Mittelalter, die machen das doch gut. Ich war ja lange weg aus Darmstadt, aber ich hab den Eindruck, dass das Kulturprogramm dieses Jahr super und vielseitig ist … mal sehen, ob wir das 2010 noch toppen können.

 

Hessen Fred, die Mannschaft von 1978 & die HR Big Band „Lilie Schuss“

Und wie steht der zukünftige Heinerfest-Präsident zum SVD?

[lacht laut] So, das ist über die 98-er… ich weiß nicht, ob das noch gesungen wird im Stadion. Diese Aufmunterung könnten die ja gut gebrauchen derzeit [Fred und die Mannschaft singen: „Beim SVD, beim SVD, da holt man keine Punkte …“]. Ich hatte damals ja auch Angebote, jeder Sportler sollte was singen [Anm. d. Red.: Klein war 1965 Deutschlands Sportler des Jahres]. Das waren aber alles Lieder mit einfachsten Melodien und Texten … einige haben das gemacht, aber … hmm… [energisch] also, wenn ich eins gesungen hätte, dann wär’ ich lieber gewesen wie Leonard Cohen, denn das ist einer der Sänger, die mich damals wie heute beeindrucken. Aber dazu hat mir das Talent gefehlt.

Aber es gibt doch auch schöne Lieder von Gerd Müller und Franz Becken …

 … und die Nationalmannschaft hat auch so einen Quatsch gemacht, aber ich sag’ ganz ehrlich: Die Musik ist entbehrlich.

 

Uli Adams „Osttangenten-Blues“

1978 wurde nicht nur für dieLilien, sondern auch gegen Straßenbau gesungen: „De Osttangende-Blues, der zieht mir aus die Shoes!“ Parallelen zur heutigen Situation nicht ausgeschlossen…

[hört aufmerksam zu] Das ist so ein Lied, das könnte man heut auch noch singen.

Aber mit neuem Text, oder?

Nein, ich glaub’, dass einem die Ideen ausgehen bei dem Thema. Es müsste aber musikalisch heut etwas melancholischer sein.

Wie kam es denn eigentlich, dass die Osttangente nicht gebaut wurde?

Es wurden ja schon die Bäume gefällt. Dann bildete sich eine Bürgerinitiative, und das Ganze wurde gestoppt. Weil niemand den Naherholungswald opfern wollte. Die neue Trasse ist so umweltfreundlich, wie es nur geht. Es sei denn, man will sie nicht.

 

Die Arschgebuiden „Oi! Saufen! Prost Metzger!“

Die Mutter aller Punkbands sang 1989 gegen die „Säufersatzung“ des heutigen Heinerfestpräsidenten (und damaligen Oberbürgermeisters) Günther Metzger an. Und zwar ziemlich laut!

Die singen zwar „saugut“, aber ich find’s sauschlecht.

Nein, die singen „saufe!“ Es ging damals um das Biertrinkverbot am Luisenplatz.

Ach so. Aber das ist mir zu brüllend – und das klingt so aggressiv.

Der Sänger ist übrigens der heutige Stadtverordnete Jörg Dillmann.

Ja, den kenn’ ich… wie man sich in Darmstadt halt so kennt. Man sieht: Auch mit dem Singen kann man also Karriere machen… Der Protest ist durchaus berechtigt, aber der Song geht mir nicht unter die Haut.

 

Fazit:

Man muss wohl kein Prophet sein, um zu erkennen, dass 2010 beim Heinerfest eher die Beach Boys als die Arschgebuiden und der Hessen Fred auftreten werden. Aber vielleicht spielen sie ja zusammen mit Bud Spencer ein Protestlied gegen Saufverbot oder Umgehungsstraßen.
Vielen Dank für’s Mitmachen, Herr Präsident! Es hat viel Spaß gemacht!

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