Foto: Jan Nouki Ehlers
Fotos: Mathias Hill (auch ein Krusselkopp)

Sie sind das heißeste Elektro-Duo der Stadt: Seit 1992 verbreiten die beiden berüchtigten P-Autoren Aki Fresh und Gerald Wrede mit Hits wie „Jennifer Capriati – kleine Hände, großer Schläger“ oder „Kettcars“ wahlweise Angst und Schrecken oder Begeisterungsstürme. Dazwischen gibt’s in der Regel nichts. So ist zum Beispiel ihr Aufruf an übergewichtige Gis („Esst doch mal was Gesundes!“) genauso unvergessen wie ihre „Fade to Grey“-Coverversion beim der Darmstädter Ausgabe von „Melodien für Millionen“. Welche anderen berühmten Duos  der Pop-Geschichte sie beeinflusst haben, kam in unserem Hörspiel heraus.

 

Simon & Garfunkel „The 59th Street Bridge Song (Feelin’ Groovy)“

Single-Auskopplung des Singer- Songwriter-Duos, bestehend aus dem einen Krusselkopp und dem Call-Me-Al-Typen, aus ihrem 1967er-Album „Parsley, Sage, Rosemary and Thyme“

Gerald: Direkt Simon & Garfunkel, hab ich schon erkannt, als aus der linken Box der erste Ton kam. Das ist „Feelin’ Groovy“.
Aki: Wer von denen hat danach denn was mit Chevy Chase gemacht?
Gerald: Ich weiß zu viel Scheiß von Bands, die mich nicht interessieren. In einem Video zu so einem lustigen Song waren Steve Martin, Chevy Chase und die ganzen Eierköpp dabei.Irgendwas mit „Easy Lover“ [die Rede ist von Paul Simons „You Can Call Me Al“ – von Steve Martin jedoch keine Spur …, Anm. d. Red.].

 

DAF „Liebe auf den ersten Blick“

Ein Track vom 1981er Album „Gold und Liebe“, eingespielt von der „klassischen“ DAF-Besetzung, also als Duo Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl

Aki [nach drei Tönen]: Kann ich direkt beantworten, das ist DAF mit „Sex unter Wasser“.

Nee, aber auf der gleichen Platte.

Gerald: Warum kriegen wir hier nur Songs von schlechten DAF-Platten vorgespielt? Das muss zum Konzept gehören! Wie heißt’s denn? „Ich will dich nackt sehn“!

Gute Idee für einen DAF-Titel, aber nee. Es heißt „Liebe auf den ersten Blick“.

Aki: Aber „Ich will dich nackt sehn“ machen wir dann demnächst mit den beiden.

 

Ike & Tina Turner „I Idolize You“

Einer der Erfinder des Rock’n’Roll und seine Gattin, hier mit einer coolen 1961er-Single, wie gemacht für die Rhythm’n’Blues-Charts

Gerald: Die Großeltern der Supremes?
Aki: Vielleicht ist das die „Nutbush City Limits“-Frau? Wie heißt sie? Tina Turner!
Gerald: Ah … Ike & Tina … aber da ist nicht mal so ein unmotivierter Moog-Synthie dabei wie bei „Nutbush“.

Sind die beiden ein großer Einfluss für Euch?

Gerald: Ja, die sind mein Einfluss, keine Funk- und Soul-Platten zu kaufen.

 

OMD „Sealand“

Noch ein Krusselkopp, nämlich  Andy McCluskey, im New-Wave-Duett mit Paul Humphreys, hier mit einem eher untypischen, ruhigen Stück von ihrem erfolgreichen 1981er-Album „Architecture &Morality“

Gerald: Hmm … OMD! Ich dachte erst, das sei Stahljustiz [Geralds Nebenprojekt, Anm. d. Red.]. Wir haben das ja mal gecovert, im Rahmen des Darmstädter Architektursommers. Wir Vier standen im öffentlichen Raum, jeder in einer anderen Ecke, und spielten die gesamte Platte. Die Passanten erkannten die Songs nur, wenn sie in der Mitte standen. „Georgia“ auf der LP fiel mir vorher nie auf, beim Spielen fand ich’s dann total super.
Aki: Damals hab ich wohl eher Mantronix gehört …

 

Sonny & Cher „The Beat Goes On“

Noch ein singendes Ehepaar, hier mit seiner 1967er-Top-Ten-Single, die auf keiner Oldie-Party fehlen darf.

Aki [singt mit]: Hat die Frau nicht auch „These Boots Are Made For Stomping“ gesungen?

Nee, das ist sie nicht.

Aki: Cher?

Und mit wem?

Gerald: Sonny & Cher, Bonnie & Clyde – nie durcheinander bringen! Davon gibt’s auch eine super Version von den Screamers, der besten Band, die nie einen Plattenvertrag hatte. Und das ganze Hörspiel hier muss auf jeden Fall eine Duett-Geschichte sein!

 

Nancy Sinatra & Lee Hazlewood „Some Velvet Morning“

68er-Klassiker, ebenso poppig wie psychedelisch. Vermutlich war Nancy Sinatra, die Tochter von Frank, die einzige, die nicht wusste, was Hazlewood mit „I’m gonna open up your gate“ meinte …

Aki: Ennio Morricone? Aber der war nicht zu zweit!
Gerald: Vielleicht Ennie & Morricone? Oder Johnny Cash und seine Alte?
Aki: William Shatner [alias Captain James T. Kirk, Anm. d. Red.]?
Gerald: Nee, dafür singt er zu gerade. Lorne Greene mit Hop Sing [Ben Cartwright und sein Koch aus „Bonanza“, Anm. d. Red.]? Aber in Wirklichkeit ist es die junge Edith Hancke mit Günter Pfitzmann! Nina & Mike? Maik & Franz?

Alles falsch. Kleiner Tipp: Der Sänger war schon in der Centralstation – und ist inzwischen tot. […] Es sind Nancy Sinatra & Lee Hazlewood.

Gerald: Quatsch, Hazy Osterwald war doch nie in der Centralstation -und Nancy Reagan auch nicht.

 

Serge Gainsbourg & Brigitte Bardot „Je t’aime … mon non plus”

„Ich liebe dich … ich dich auch nicht“ ist doch ein schöner Titel für eine Popsingle, oder? Aufgrund des eindeutigen Gestöhnes von Jane Birkin, die die bekannte 69er- Hit-Version mit Gainsbourg besang, wurde sogar der verantwortliche Plattenfirmenchef vom Vatikan exkommuniziert. Hier das etwas unbekanntere Original mit BB.

Gerald: Des is „Je t’aime“. Aber is des mit der ein’n oder mit der ander’n?
Aki: Hat der die nicht immer geschlagen?
Gerald: … bis sie den Ton getroffen hat. Ist das jetzt Jane Birkin oder Brigitte Bardot? Das muss Brigitte Bardot sein – die andere Version ist ja neun Milliarden Mal verkauft worden … und die hier nur zwölf Mal in Paris unterm Ladentisch.

 

Morrissey & Siouxsie „Interlude”

1994 nahmen die beiden Postpunk-/Independent-Götter eine schön Schmacht-Version eines Timi-Yuro-Songs auf – ging leider ziemlich unter.

Gerald: Das ist aber ’ne moderne Produktion, die auf alt getrimmt ist, oder?

Ja, von 94.

Aki: Al Bano & Romina Power!
Gerald: Am Anfang schön, jetzt nicht mehr so. Jetzt klingt er wie Paul Young besoffen. Ah … das ist der Typ von den Smiths.
Aki: Morrissey!
Gerald: Jim Morrissey, genau!
Aki: James Morrissey!
Gerald: Dann lag ich mit „Paul Young besoffen“ ja richtig …

Und die Frau?

Aki: Die von Siouxsie & the Banshees – ich seh gerade die Platte im Regal stehen.

Welchem dieser Duos fühlt ihr Euch denn am ehesten verbunden?

Aki: Vom Elektronischen her würde ich in die DAF-Kerbe schlagen, oder?
Gerald: Nee … Jim Morrissey.

Ich sehe Euch ja eher als Simon & Garfunkel der Darmstädter Musikszene.

Aki: Hoffentlich kommt bei uns auch Chevy Chase mal vorbei.
Gerald: Und dann kommt, wenn wir uns auflösen, das Doppelalbum „Live at the Böllenfalltorstadion“.

 

Fazit: Bei Nancy & Lee sind die beiden sympathischen Synthesizer-Götter mal kurz ins Schlingern geraten, aber ansonsten flogen die Musikernamen hin und her wie der Filzball beim Tennismatch zwischen Steffi Graf und Anke Huber – zwei weitere Tennisdamen übrigens, die in Bormuth-Songs verewigt wurden. Spiel, Satz und Sieg für Bormuth!

Artikel drucken Artikel versenden