Foto: Jan Ehlers

Oftmals sind Empfehlungen besonders wertvoll, um Neues zu entdecken. Also fragen wir namhafte Darmstädter nach ihren fünf liebsten Favoriten in drei selbst ausgewählten Kategorien. In unserer vierten Folge stellt uns Kerstin Lau, Oberbürgermeisterkandidatin und Fraktionsvorsitzende von Uffbasse im Stadtparlament, ihre liebsten Filme, Bücher und Musikplatten vor und erzählt, warum sie gerade diese ausgewählt hat.

 

Top 5 Bücher

Khaled Hosseini: Traumsammler (2013)

Ich liebe Khaled Hosseinis Bücher über Afghanistan. „Traumsammler“ ist ein Roman über das Leben, über die Höhen und Tiefen menschlicher Existenz und die Abgründe menschlichen Verhaltens, erzählt anhand der Lebensgeschichte zweier Geschwister.

Michael de Larrabeiti: Die Borribles (1976)

Die Borribles haben sich dem anarchistischen Leben verschrieben und kämpfen gegen ihre Feinde, die rattenähnlichen Rumbels – vor allem aber gegen das Monster der bürgerlichen Ordnung und Langeweile. Ein sehr phantasievolles Buch – nicht nur für Kinder – über Freundschaft, Abenteuer, Loyalität und Zusammenhalt. Schön finde ich die Grundidee, dass man den Borribles erst die Ohren stutzen muss, damit sie zu normalen Erwachsenen heranwachsen. Ich ertappe mich dabei, wie ich manchmal schaue, ob mein Gegenüber noch spitze Ohren hat.

Astrid Lindgren: Die Brüder Löwenherz (1973)

Unzählige Male meinen Kindern vorgelesen und dabei Rotz und Wasser geheult. Ein Buch über Liebe, die alle Herausforderungen übersteht, den Zusammenhalt zwischen Geschwistern, den Mut zu kämpfen, die Kraft, Entscheidungen zu treffen und das Recht, seinen Tod selbst wählen zu dürfen.

Dalton Trumbo: Johnny zieht in den Krieg (1939)

Johnny zieht in den Krieg und kommt ohne Beine, Arme, Augen, Mund und Ohren zurück. Dermaßen eingesperrt in seinen eigenen Körper in einem Lazarett liegend lässt er uns an seinen Erinnerungen teilhaben. Auch wenn es sich um ein älteres Buch handelt, ist es für mich der beste Antikriegsroman.

Marina Lewycka: Caravan (2007)

Alle ihre Bücher sind mehr als lesenswert, dieses hat mir besonders den Atem geraubt. „Caravan“ erzählt die mitreißende Geschichte einer Truppe Erdbeerpflücker auf der Flucht durch England in einem Wohnmobil. Sehr detailgetreu geschrieben – mit dem für Marina Lewycka typischen Gespür für Situationskomik und Galgenhumor.

Roger Willemsen: Der Knacks (2009)

Kluge Gedanken von Roger Willemsen über Ermüdungsbrüche, Krisen, Kurswechsel. Dabei betrachtet er weniger die großen Lebenskatastrophen als die sanfte Ermüdung, die kleinen Risse, die anzeigen, dass eine Veränderung nötig wäre. Und das erstaunlich unprätentiös für die Schwere des Themas. Zitat? „In der Gegenwart geht der größere Schaden wohl nicht von dem aus, was Menschen tun, sondern was sie geschehen lassen.“

 

Top 5 Filme

Django Unchained (2013)

Eigentlich hätte ich fast alle Filme von Quentin Tarantino als Lieblingsfilm aufzählen können und vielleicht hätte „Kill Bill“ irgendwie besser gepasst. Aber „Django Unchained“ ist eine gute Liebesgeschichte und darüber hinaus vor allem eine brutale, blutige und knallharte Abrechnung mit Rassismus und Sklaverei.

Wie ein einziger Tag (2004)

Eine wunderschöne Liebesgeschichte nach einer wahren Begebenheit aus den 1940er Jahren. Die Geschichte ist klassisch romantisch – armer Junge und reiches Mädchen verlieben sich und finden trotz schwieriger Umstände zueinander. Am Ende des gemeinsamen Lebens erkrankt sie an Alzheimer und er liest ihr jeden Tag aufs Neue ihre eigene Liebesgeschichte vor, wodurch sie manchmal ihre Erinnerung zurückerhält. Seufz.

X-Men (2000)

Ich bin sowieso ein großer Fan von Comic-Verfilmungen und X-Men ist eine meiner Liebsten. Das liegt natürlich überhaupt nicht an meiner heimlichen Schwäche für Hugh Jackman, sondern ausschließlich an dieser mitreißenden Story über die verfolgten und diskriminierten „Mutanten“, die herausragende Eigenschaften haben und durch Zusammenhalt und Freundschaft gegen ihre intolerante Umwelt bestehen können. Hmm, naja.

City of God (2002)

Der Film erzählt das Leben in einem Armenviertel in Rio de Janeiro aus der Sicht eines Bandenmitglieds. Gewalt, Kriminalität, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Träume, Drogen, Bandenkriege und Schmerz werden von den Laienschauspielern, die selbst aus den Favelas stammen, überzeugend dargestellt.

Boyz n the hood (1991)

Also Nummer fünf ist echt schwierig: Ich schwanke zwischen „Inception“, „Fight Club“, „Matrix“, „Die Verurteilten“ und „Inglourious Basterds“. Und alleine diese Aufzählung zeigt, dass es echt schwierig wird für mich, einen Boykott des Trump-Landes durchzustehen. Ich entscheide mich für „Boyz n the hood“, einfach weil es so ein bewegender Klassiker aus meiner Jugend ist, der das Aufwachsen und die Diskriminierung eines jungen Afroamerikaners in einem Ghetto erzählt. Auf einfache, schlichte und deutliche Weise stellt der Film die Ausweglosigkeit und Hoffnungslosigkeit des Lebens in South Central dar. Leider immer noch sehr aktuell beziehungsweise aktueller denn je.

 

Top 5 Musik

Rage against the machine: Debut (1992)

Eine Platte, die alles vereinte, was mich musikalisch geprägt hat: Metal, Alternative, Punk, Funk und HipHop. Dazu noch mit guten, politischen Texten und einer Ladung ungebremster Energie. Ich war süchtig nach dieser CD.

Macka B: We’ve had enough (1984)

Eigentlich sollte hier „Muse: The Resistance“ stehen, ein Album, das mich bis heute durch seine musikalische Vielfältigkeit begeistert. Aber wenigstens ein guter Reggae-Künstler muss in der Liste schon enthalten sein. One for Jah!

Sergej Tankian: Elect the dead (symphony) (2007)

System Of A Down ist sowieso ein Knaller für mich, aber mit diesem Soloalbum und der orchestralen Unterlegung seiner Songs hat Sergej Tankian seine Herkunftsband noch getoppt.

Kraftklub: Mit K (2012)

Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich den Altersdurchschnitt auf den Konzerten ganz schön anhebe. Ich mag sie einfach. Und zwar von Anfang an und alle CDs. Ich mag die Texte und die Energie und die Liveauftritte machen Spaß. Erinnern mich an die Toten Hosen, die ich auch geliebt habe, bevor sie angefangen haben, sich selbst zu wiederholen.

Mädness (und Döll): alles

An dieser Stelle hatte ich jetzt die Herausforderung, dass ich so viele Rapper nennen könnte, dass es eine Top 20 geworden wäre. Statt auf Eminem, Notorious BIG, Public Enemy, Tupac, Beginner oder andere hinzuweisen, deshalb an dieser Stelle Mädness, den kompletten MC, der mich musikalisch seit vielen Jahren begleitet. Und das nicht wegen der nach wie vor großartigen Uffbasse-Hymne, sondern aus Spaß an seiner Musik und seinen Auftritten. Ich freue mich, dass er endlich die Anerkennung bekommt, die er verdient hat. Und das Juice Magazin mit den beiden Brüdern liegt ganz oben auf meinem Zeitschriftenstapel. Straight outta Darmstadt!

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