Foto: Christoph Rau

Fast wirkt es so, als würden sich die Köpfe auf dem Weg nach irgendwo gegenseitig durchdringen. Besonders emotional wirken die massiven Gestalten dabei aber wahrlich nicht, im Gegenteil sogar: Der Blick scheint ins Leere zu gehen, die Lippen wirken streng, die Ab- oder Anwesenheit des Gegenübers berührt nicht.

Irgendwie langweilig, diese Szenerie. Ich stelle mir deshalb gerne vor, dass diese so rational wirkenden Kahlköpfe gar nicht körperlos sind, sondern diese nur verstecken, im Erdreich unter sich. Und wenn ich mir das vorstelle, kommt Bewegung ins Spiel. Die Blicke erinnern mich mehr und mehr an das betont coole Aufeinander- und Ineinanderschauen von Vincent Vega und Mia in der berühmten Tanzszene aus „Pulp Fiction“ – und im Erdreich unter dem Bürogebäude drehen sich riesenhafte Gliedmaße aus Metall zu Chuck Berrys Musik. Etwas Derartiges hatte der Künstler Helmut Lander vermutlich nicht im Sinn, als er „Kommunikation“ im Jahr 1988 aufgestellt hat. Aber sicher können wir uns da nicht sein, wie die Musik im Untergrund uns mitteilt: „You never can tell“.

 

Kunst am Bau

Dank einer als „Kunst am Bau“ bezeichneten Verpflichtung wird in Deutschland ein bestimmter Prozentsatz der Kosten öffentlicher Bauvorhaben (in Darmstadt: ein Prozent) KünstlerInnen zur Verfügung gestellt. Mit diesem Geld realisieren sie Kunstwerke, die sich auf den jeweiligen Bau beziehen – oft im Freien und für jeden sichtbar. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube, also eines Museums oder einer Galerie, gehen diese Werke allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese öffentlich Vergessenen die Wahrnehmung des Stadtraumes verändern. Eine Einladung zum Fantasieren.

 

Foto-Flipbook Sezessionsmuseum

Von den mehr als 500 Kunstwerken im öffentlichen Raum unserer Stadt wurden über die Hälfte von Mitgliedern der Darmstädter Sezession geschaffen. Anlässlich des Festivals „Den Bogen spannen – 100 Jahre Darmstädter Sezession“ (vom 08. Juni bis 15. September 2019) macht der Darmstädter Verlag Preface Book diese Werke erstmals in einem Foto-Flipbook ausfindig und erklärt den Stadtraum selbst zum „Sezessionsmuseum Darmstadt“. Die Suche nach den Kunstwerken und der Museumsleitung ist in vollem Gange. Das P Stadtkulturmagazin begleitet sie in Form seiner wieder aufgelegten Serie „Suche und finde“.

www.sezessionsmuseum-darmstadt.de und www.denbogenspannen.de

 

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