Foto: Gérard Schwarz
Die Jungen Freunde des Landesmuseums (von links): Daniel Herper, Daria Lopatecki, Susanne Burmehl, Steffen Pejas, Marc Phillip Weber und Martina Bingel (auf dem Foto fehlen: Lukas Lehmann und Konstantin Papageorgiou) | Foto: Gérard Schwarz

Es geht hier um Kunst. Diese hochkulturelle Sache, die man nur verstehen kann, wenn man sie studiert hat, auf mindestens 98 Vernissagen war und ebenso viele Führungen durch Ausstellungen genossen hat? Mitnichten. Dass es auch null elitär, mit Spaß, Witz und dennoch anspruchsvoll geht, zeigt seit Anfang des Jahres das Kollektiv „Junge Freunde – Freunde des Landesmuseums e. V.“. Acht Darmstädter, die Disko und Diskussion wollen, Leinwand und Weinbrand lieben und auf Kunst und Banausen stehen. Dieser entspannte Ansatz wird nun ein ganzes Wochenende lang gemeinsam mit weiteren Kunst-Akteuren zelebriert.

Vorbehalte, Bedenken und Gedanken-Hürden machen nur melancholisch. Wieso also nicht einfach Beuys mit Party kombinieren – und das kulturelle Leben aktiv mitgestalten? Das ist der Impuls der „Jungen Freunde“ – und sie hoffen, damit schon bald viele neue Mitstreiter zu gewinnen. Am zweiten September-Wochenende veranstalten sie gemeinsam mit ihrer Homebase, dem Hessischen Landesmuseum (HLMD), und erstmals auch mit der Kunsthalle und der Darmstädter Sezession „Ein Wochenende Kultur in Deiner Stadt“. Es gibt Vorträge, Workshops, eine Party im Café Rodenstein, ein Sommerfest in der Kunsthalle und eine sonntägliche „SkulpTour“-Führung durch Darmstadt (Details: siehe unten).

Gemeinsames Ziel: Gerade auch jüngeren Kulturkonsumenten Orte der Kunst und Kultur in Darmstadt näherzubringen und den Gedankenaustausch – auch mit der vielfältigen Darmstädter Kunst-Szene – in lockerem Rahmen anzuregen. „Wir möchten speziell auch junge Leute für Kunst und Kultur in Darmstadt begeistern. Und man muss kein Kunstexperte sein, um sich auszutauschen. Es gilt manchmal nur eine andere Perspektive einzunehmen, um die eigene Zeit besser zu verstehen“, erklärt Susanne Burmehl, beim „Junge Freunde – Freunde des Landesmuseums e. V.“ für Marketing und Kommunikation zuständig. Die „eigene Zeit“ spiele dabei eine wichtige Rolle, denn: „Es geht uns darum, Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft in Zusammenhang mit der Frage zur Kultur unserer Zeit (kritisch) zu diskutieren.“

Das Landesmuseum als Ausgangsort ist nicht zufällig gewählt. Zum einen war Günter Beckers, Vorstand des übergeordneten Freunde des Landesmuseums e. V., eh gerade auf der Suche nach jüngeren HLMD-Sprachrohren. Und er fand sie in Marc Philipp Weber (Blumen, Stella, Shoesenkel), Susanne Burmehl (Mentoring und Marketing für Künstler), Daniel Herper (Jurist), Lukas Lehmann (Journalist, Musiker, Veranstalter), Konstantin Papageorgiou (Blumen, Stella, Inhaber einer Internetagentur), Steffen Pejas (Galerist „inch & cm“), neu dabei: Daria Lopatecki (Kultur- und Projektmanagement) und Martina Bingel (Kunstwissenschaftlerin und Kultur-PR). Zum anderen scheint das HLMD als eines der wenigen Universalmuseen in Europa eine maßgeschneiderte Plattform für die drei Säulen der Jungen Freunde zu sein. Schließlich war und ist es auch der Anspruch des HLMD, Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft in Einklang zu bringen.

Inspirationsquelle: Treppenhausgespräche

Außerdem war das Foyer des Landesmuseum in den 1970er Jahren Ort der „Treppenhausgespräche“: Auch damals versuchte man, Fragen zur „Kultur unserer Zeit“ zu beantworten, zum Beispiel ließen sich Akteure des Instituts für Neue Musik eine Woche lang im Beuys-Block einsperren, komponierten dort und vertonten Beuys’ Werk.

Die erste Veranstaltung der „Jungen Freunde“ Ende Januar 2015 war ein Riesenerfolg, rund 500 (junge) Kunstinteressierte kamen zur „Blackout Privacy“ ins Landesmuseum. Zum Thema „Datenschutz“ („Wie werden wir abgehört?“) gab’s einen „Handyhüllen-Näh“-Workshop, Vorträge zum Nutzerverhalten im Internet, Führungen und anschließend eine rauschende Party im Café Rodenstein. Nun, am zweiten September-Wochenende, an dem das HLMD das 10-jährige Jubiläum seiner Simon-Spierer-Sammlung „Wald der Skulpturen“ feiert, ist der rote Faden das Thema „Skulpturen“ – im weitesten Sinne. „Schließlich kann man auch Gebäude als Skulpturen betrachten, als Skulpturen einer Stadt“, sagt Susanne Burmehl. „We build this city – on what?“ lautet der Titel, der verrät, dass der Bogen zum Thema Städtebau und Städteplanung gespannt wird. In bester „Junge Freunde“-Manier soll auch wieder der gesellschaftlich-wissenschaftliche Diskurs gepflegt werden: „Wir sind umgeben von Ressourcenknappheit. Wie sehen Architekten die smarte Stadt von morgen?“ Eine gerade für Darmstadt, die Stadt mit der höchsten Architektendichte Deutschlands, berechtigte Frage.

 

„Ein Wochenende Kultur in Deiner Stadt“

Kunst-trifft-Party-Wochenende vom 18. bis 20.09:
Fr, 18.09., 19 Uhr: 1. Sommerfest der Kunsthalle Darmstadt

Musik und Cocktail-Bar (Kunsthallen-Direktor Leon Krempel mixt den Cocktail „Director’s Cut“) – plus die großartige John-Gerrard-Ausstellung „Exercise“

Eintritt zum Fest frei, Ausstellung: 6 Euro (ermäßigt 4 Euro, freier Eintritt für Schüler und Studierende)

www.kunsthalle-darmstadt.de


Sa, 19.09., 19 Uhr: Junge Freunde präsentieren: „We build this city – on what?“

20 Uhr: Vorträge, Diskussionen und Führungen im Landesmuseum

23 Uhr: Party im Café Rodenstein mit Ata (Robert Johnson, Offenbach) und Leona Berlin (live)

Eintritt ins Museum frei, Party: 8 Euro

www.junge-freunde-hlmd.de und www.facebook.com/JFHLMD


So, 20.09., 15 Uhr: „SkulpTour Spaziergang“ der Darmstädter Sezession

Ein Sonntagsspaziergang durch Darmstadt von der Rosenhöhe bis zur Skulptur von Bernhard Heiliger („Zwei Figuren in Beziehung II“) vor dem Ludwig-Georgs-Gymnasium. Horst Dieter Bürkle wird uns für eine gute Stunde durch ein Jahrhundert der Skulpturen führen, die sich immer mit dem jeweiligen Menschsein befasst haben. Der Mensch als Skulptur im Freiraum.

Treffpunkt: um 15 Uhr am Löwentor/Rosenhöhe

Teilnahme kostenlos

www.darmstaedtersezession.de

 

Hier geht’s zu den „Jungen Freunden“

Die Jungen Freunde des HLMD freuen sich über Zuwachs. Mitgliedern werden unter anderem exklusive Sonderführungen angeboten, in naher Zukunft geplant sind Künstlerstammtische und Kunstreisen.

Eine Jahres-Mitgliedschaft kostet für Unter-25-Jährige 20 Euro, für Über-25-Jährige 50 Euro (Partner-Mitgliedschaft: 80 Euro).

Den Newsletter können auch Nicht-Mitglieder abonnieren unter www.junge-freunde-hlmd.de.

 

10 Jahre Sammlung Simon Spierer: Ein Wochenende zur Skulptur

Sa, 19.09., ab 11 Uhr + So, 20.09., 11 bis 16 Uhr

Ende des Jahres 2004 übergab der Genfer Sammler Simon Spierer 40 Skulpturen und ein Gemälde von Andy Warhol als Schenkung an das Hessische Landesmuseum Darmstadt. Der vom Sammler so betitelte „Wald der Skulpturen“ umfasst Werke von internationalen Bildhauern des 20. Jahrhunderts wie Constantin Brancusi, Max Ernst, Henry Moore, Louise Bourgeois bis Tony Cragg und Vera Röhm. Er konzentriert sich formal und motivisch auf die Stele und den Torso in der Skulptur. Im Jahr 2005 wurde die Sammlung in den Räumen des 2. Stocks eingerichtet. Zum 10-jährigen Jubiläum der Präsentation widmet das Hessische Landesmuseum Darmstadt diesem „Wald der Skulpturen“ ein Wochenende mit Vorträgen, Führungen, Künstlergesprächen und Filmen.

Details und das komplette Programm unter: www.hlmd.de

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