Foto: Jan Ehlers
Foto: Jan Ehlers

Es gab in Darmstadt jahrelang eine Rock-Band namens Black Lizard. Dummerweise gab und gibt es in Finnland eine Band gleichen Namens. Und die Verwechslungen häuften sich. Also nennt man sich seit kurzem anders: Magnetic Mountain. Im „The Pub“ (Pankratiusstraße 26A) stellten sich Martin Dudde (Bass), Malte Hüther (Gitarre), Idris Colaker (Schlagzeug) und Andreas Kurz (Gesang) den investigativen Fragen des P-Magazins – über das ziemlich amüsante Schicksal einer Band, die ihren Namen ändern muss, ein neues Album veröffentlicht und an der Frage nach dem schlimmsten Gig fast zerbricht.

Andreas: Hoffentlich wird das hier besser als unser letztes Interview bei Radio Darmstadt. Wir waren da so derbe voll.

Dude: Wir hatten einen Deal mit dem Griechen [Restaurant „Omega“ in unmittelbarer Nähe, Anm. der Red.]. Der hat uns immer Bier rausgestellt, wenn wir anriefen. Und der Malte durfte nach ein paar Runden Schnick-Schnack-Schnuckk dann mit Kreditkarte zahlen.

A: Da war noch ein älterer Mann im Sender, der fand es voll lustig, dass wir uns so weggeräumt haben. Der wollte uns noch eine eigene Sendung aufschwätzen.

D: Und wir haben zugesagt … im Vollsuff.

Malte: War der nicht selber voll?

A: Ich glaube net.

Iddi: Das Geheimnis des Älterwerdens. Die Leute merken net mehr, wann du voll bist und wann net.

A: Du warst ja nicht dabei, sondern lagst krank auf dem Sofa als Telefon-Joker. Oh mann, wir hatten zum Ende hin so gelallt. Hoffentlich hat das keiner gehört. Das wäre das Ende der Band.

P: Wir graben das als investigatives Magazin gerne aus und verlinken es.

D: Ok, das war´s dann mit der Karriere.

 

Wann begannt Ihr als Black Lizard?

D: Ganz zu Anfang hatte ich eine Band mit Rene Hoffmann [Sänger/Gitarrist bei Wight und Betreiber des Musiklabels Fat & Holy] und Wulf Pratz [Schlagzeuger bei Branko Slava Superband]. Der Iddi kam erst als Sänger, dann als Gitarrist dazu. Rene und Wulf stiegen aber aus Zeitmangel aus, weil sie ja auch andere Bands hatten. Iddi ging ans Schlagzeug und als Gitarrist kam zwischenzeitlich ein ziemlich trinkfester Engländer dazu: Andrew (Mitch) Mitchell, der bei Eumetsat arbeitete.

I: Und als Sänger schließlich der Andi. Mit dem hatte ich früher eher Hatecore gemacht. Aber alles früher war Kinderkacke im Vergleich zu heute.

M: Ich spielte vorher Drums bei ethon bill. Als der Mitch wieder nach England ging, kam ich als Gitarrist zu den Jungs.

D: Als erstes Release gab es 2009 ein Stück für den Darmstadt-Sampler „Made in Da Vol. 1“. Das war ein Projekt vom Tonstudio „The Lab“ [in der Frankfurter Straße 26]. Wir haben dann auch gleich eine EP aufgenommen. Der Sound mit Mitch an der Gitarre war uns aber letztlich zu glatt, was aber eher an der Produktion lag. Das wurde erst mit Malte richtig schön dreckig, denn der Gitarrensound ist schon prägend in diesem Genre.

 

Aber dann kam eine ziemlich gute finnische Psychedelic-Band gleichen Namens …

A: Genau. Das war eine Präventivmaßnahme, den Namen rechtzeitig zu wechseln, bevor es Ärger gibt. Die anderen Black Lizards gehen ja auch richtig auf Europa-Tour und da passierte es schon, dass plötzlich Veranstalter oder Fans versehentlich auf unserer Facebook-Seite Sachen posteten.

Wie kam es zum neuen Namen Magnetic Mountain?

A: Ich fand den Namen erst ein bisschen platt, aber dann erzählte mir ein Freund, dass der Frankenstein so „magnetische Steine“ hätte. Und er erzählte mir die Geschichte, dass in den 1960er Jahren wegen einer „magnetischen Verwerfungszone“ auch einige Flugzeuge zwischen Frankenstein und dem Melibokus abgestürzt sein sollen …

[das P kratzt sich am Kopf] Klingt nach Bermuda-Dreieck im Odenwald … ich dachte eher an das Phänomen der optischen Täuschung in den „Magnetic Hills“ in Kanada, bei der man denkt, man rollt aufwärts, obwohl man abwärts rollt …

D: Egal, aber so klang unser neuer Name dann auf alle Fälle spannender und mysteriöser. So wie wir eben auch sind [grinst sich einen].

M: Einen neuen Namen zu finden, war dann auch echt Horror. Jeder hatte Vetorechte, das ging monatelang hin und her. Hatten da eine riesige Auswahl: Mother Discord, Skeleton Zoo, Swollen Goa …

I: Ich fand „Collision of Two SmokeRings“ super … da gibt es auch ein schönes Video, wenn im Vakuum zwei Raucheratem-Ringe aufeinanderprallen …

[Andreas zeigt es sofort]

A: Wir könnten ja bei jeder Platte einen neuen Namen machen.

D: Noch besser: bei jedem Gig. Bandnamen mit nur einem oder zwei Namen sind aber wirklich fast alle schon durch. Vor allem Farbe- und Tier-Kombis sind alle besetzt.

Was ist mir Rosa Quastenflosser? [verwirrte Blicke] äh … nur so spontan … könnte ich noch ein Radler bekommen?

D [parallel auch Barkeeper im Pub erhebt sich]: Weichei-Bier kommt sofort.

 

Eure erste Langspielplatte kommt jetzt am 28. März raus. Die große Release-Party steigt im An Sibin [siehe Info unten]

I: Eigentlich wäre sie schon letztes Jahr fertig gewesen. Wir hatten das Ding im Studio vom Mark Rückert in einer Woche eingetrümmert, plus drei Monate für Gesang und Mixing. Aber der Namenswechsel und einige Erkrankungen hatten uns danach viel Zeit gekostet. Und ich hätte so gern Vinyl gemacht, aber da fehlt die Kohle.

D: So um die 1000 Stück lassen wir auf CD pressen. [sarkastisch] Davon gehen 950 raus als Promos und dafür kriegen wir dann zwei Reviews. Wenn´s gut läuft.

I: Fat & Holy wird die Platte aber veröffentlichen, was uns natürlich sehr freut, weil der Rene supervernetzt ist und richtig viel macht. Auch an Konzerten. Das bringt sauviel. Außerdem ist der Rene ein langjähriger Freund. Und wir alle helfen oft bei seinen Konzerten und sonstigem.

In Darmstadt gibt es ja eh mit Bands wie Wight, Bushfire, Motor Mammoth und weiteren mittlerweile auch eine richtige Szene.

D: Das ist auch richtig klasse. Wär ja sinnlos, wenn man sich in so einer kleinen Stadt anpisst.

I: Nee, man hilft sich gegenseitig und feiert gemeinsam: „No competition, we are all brothers!“.

A: Für die Platte gibt es dann noch bandcamp oder Reverbnation als digitale Plattformen. Es ist wirklich überraschend gut, weil da immer wieder kleine Beträge reinkommen, wenn irgendjemand irgendwo in Südamerika oder so unser Ding abgespielt hat.

D: Tja, so finanzieren wir unser Bier.

 

Ihr macht ja schon im weitesten Sinne Stoner-Rock. Irgendwelche bestimmten Vorbilder wie Kyuss, Queens of the Stoneage oder Monster Magnet?

I: Nicht wirklich. Wir hören natürlich alle das Zeug. Da fließen aber auch ganz andere Einflüsse ein.

M: Ich bin stonerrockig auch eher unbedarft. Bei mir sind es eher Progrock-Bands wie Tool oder Oceansize, kann aber auch gerne mal in Richtung Massive Attack oder Lamb gehen.

D: Bei mir darf es gerne auch so was wie Lana Del Rey sein. In dem Genre feiere ich aber gerade die Band „Church of Misery“ groß ab. Sind also oft unbekannte Bands, die man präferiert, die keiner sonst kennt, wenn er nicht aus der Szene kommt. Letztlich zählt: Amps auf volle Lautstärke und hören, was da rauskommt.

Wie entstehen Eure Songs?

A: Wir jammen uns eigentlich alles zurecht. Die Texte auch. Die entwickeln sich. Malte nimmt die Achtspur-Aufnahmen von den Proben dann immer mit nach Hause und schnippelt die besten Passagen zusammen. Das funktioniert ziemlich gut.

Und wie lief die Karriere bisher? Euer schlimmstes Konzert?

A: Auf dem Weinfest in Groß-Umstadt im Cactus-Zelt. Das war die Hölle, weil dort keiner Bock auf uns hatte. Die wollten eine AC/DC-Coverband hören.

D: Ich fands gar nicht so schlimm.

I: Und ich weiß nix mehr, weil ich mir die Lichter ausgesoffen hatte.

[stundenlange Diskussion, welches der schlimmste Gig war … fast schon Streit: „Ich muss ja dauernd fahren!“ … das Ende der Band? … nur Iddi immer souverän: „Ich weiß nix mehr, ich war da auch voll.“]

Um die Stimmung aufzubessern: Der witzigste Gig?

A [nach kurzer Denkpause]: Ganz klar Arheiligen!

D: Arheiligen? … [erleuchtet] Arheiligen! [Lokalpatrioten wissen natürlich: Es muss Arheilgen heißen, ohne zweites „i” hinten; Anm. d. Red.]

M: Da hatte so ein ganz junger Hüpfer ein Benefizfestival in einem Sportheim machen wollen und hat ganz dick aufgefahren.

D: Der wollte so ein bisschen ins „Business“ einsteigen, war aber trotzdem sympathisch. Das war auch das bisher einzige Mal, wo wir einen Vertrag hatten. Wir ließen uns da auch die Mettbrötchen mit Radieschen vertraglich zusichern.

A: Und am Ende waren die vier Bands das einzige Publikum. Plus seine Eltern. Der hatte sich kräftig verzockt.

D: Wir fanden es aber voll witzig, weil alle Bands ihr Ding mit Volldampf durchzogen und sich gegenseitig anfeuerten. Und wir durften die ganzen nicht getrunkenen Bierkästen mitnehmen.

I [völlig überraschend]: Ich kann mich an überhaupt nix mehr erinnern …

Und Euer bestes Konzert bisher?

I: Die ranzigen kleinen Locations sind immer die geilsten Gigs.

D: Ganz klar aber 2011 als Support für Clutch im Schlachthof Wiesbaden. Da sind die Leute von draußen richtig derbe reingeströmt. Und wir haben kräftig Merchandise verkauft.

A: Da hat sich doch so ein Zweimeter-Riese mit 200 Kilo unsere ulkigen String-Tangas gekauft – Größe 36. [blinzelt] … für seine Freundin … *hüstel*

D [lacht]: Und dann vorm Spiegel: „You sexy motherfucker.“

A: Backstage war auch witzig, weil Clutch sich vorher geschätzt 200 Pizzas kommen ließen. Die ganzen Wände waren voll damit. Apropos: Wir müssen jetzt langsam auch unsere Webseiten auf den neuen Namen umstellen. Und wir haben dummerweise noch kurz vor der Namensänderung fett Merchandise eingekauft mit Black Lizard: Feuerzeuge mit Download-Code, T-Shirts, Tangas …

I: Wir können ja 40 T-Shirts mit dem alten Namen verlosen. Am besten noch verschwitzt. Jeder zieht sich beim nächsten Gig 10 T-Shirts an und dann weg damit.

Cool, Stoner-Schweiß.

A: Ich zieh mir die Girlie-Shirts an.

D: Ich die Tangas.

D: Aber vielleicht wird das Zeug mal viel wert sein, wenn wir richtig bekannt sind … nach dem Interview hier.

Klar, unser Magazin wird in New York, Tokio und Ulan-Bator gelesen. Ihr werdet ganz groß.

 

Release-Konzert:

An Sibin (Landgraf-Georg-Straße 25) | Fr, 28.03. | 21 Uhr | 5 Euro

Win! Win! Das P verlost 40 T-Shirts und Feuerzeuge mit dem alten Bandnamen „Black Lizard“.

Die Frage zur Verlosung: Wie hätte sich die Band noch nennen können?

Nennt uns eine der Alternativnamen aus dem Interview oder denkt Euch einen Namen aus. Antwort bitte bis 20.03. an redaktion[at]p-verlag.de mit dem Stichwort: Magnetic Mountain. Viel Glück!

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