Es tat und tut sich was in der Nachtkultur Darmstadts. Darüber informieren wir Euch mit einem kompakten Location-Update.

 

Das Blumen

Das Blumen
Foto: Jan Ehlers

Im März ging eine Ära zu Ende, im April beginnt schon eine neue.

Bereits Mitte der 1990er wurde der ehemalige Blumenladen an der Nieder-Ramstädter Straße 75 durch Party-Enthusiasten (machten auch: „das Ost“ und „das Stella“) für einige Jahre zum Veranstaltungsort namens „Blumen“ umdefiniert. Es folgte zwischenzeitlich eine zweite Gruppe und ab 2006 nach längerem Leerstand dann das Team aus meist Architektur-Studenten, dessen Ära jetzt – berufsbedingt – zu Ende ging. Die Räumlichkeit wurde damals im Rahmen eines Uni-Projektes angemietet. Das Gebäude sollte ursprünglich nur fiktiv umgeplant werden – aber die Ideen wurden real. Das Blumen entwickelte sich durch ein wachsendes Team von engagierten Studenten zu einem Atelier, Arbeitsraum und Platz für Events: Bands traten auf, es gab Theater-Veranstaltungen und Ausstellungen.

Der gemeinnützige Kulturverein „das blumen e.v.“ wurde 2008 gegründet und spätestens seit dem letzten Umbau 2011, bei dem der Veranstaltungsraum wieder in seinen Ursprungszustand versetzt wurde, ist das Blumen eine vollwertige Kultur-Location, die bereits Teil der Luminale oder des Architektursommers war. Nach dem rauschenden viertägigen Abschlussfestival des alten Teams im März steht schon eine (nahezu) neue Gruppe von Ehrenamtlichen parat, die meinen: „Nichtkommerzielle Offspace-Räume, in denen man Freiheit für interessante kulturelle Projekte hat, sind auch in Darmstadt superwichtig und liegen uns am Herzen.“ Bereits ab April gibt es wieder zahlreiche Veranstaltungen: So die Event-Reihe „Öffnungszeit“ jeden Dienstag als gemütlicher Kneipenabend mit DJs oder Livemusik, die „Gesprächszeit“ mit Diskussionsrunden – und Ausstellungen im Rahmen der „Schauzeit“. Aber das ist noch nicht alles. Wir sind gespannt!

www.dasblumen.de

 

Ponyhof

Ponyhof
Foto: Ponyhof

Im Februar zog der Ponyhof von seiner alten „Bestallung“ in der Sandstraße in größere Räumlichkeiten in der Mainzer Straße 106 um.

In unmittelbare Nähe des Weststadtcafés und der Weststadtbar also – und nicht weit entfernt von Neuwiesenweg und Klangkantine. Damit wird das Gebiet an den Schienen, im Westen der Stadt, fast so etwas wie die neue Club-Meile Darmstadts.

„Wir wollen uns mit den Club-Nachbarn kollegial absprechen, damit alle davon profitieren“, betont Alex Kloss, der einzig verbliebene Geschäftsführer vom „alten“ Ponyhof. Als neuen Kollegen hat er Hasan Sungur (auch bekannt als DJ SanchoSun) an seiner Seite, der die Location bereits schon für die Weststadtbar an private und geschäftliche Veranstalter vermietete. Das etwas ältere, aber stabile Gebäude, das im Besitz der Deutschen Bundesbahn ist, beheimatete in den letzten zwanzig Jahren auch schon einige House-Clubs wie den Room106 oder den Orange Club. Der „neue“ Ponyhof wird jetzt vom Konzept her eine Mischung aus beidem: Club und anmietbare Location.

„Wir selbst werden immer am ersten Freitag im Monat eine große Party, die Privataudienz, veranstalten. Es wird aber auch noch kleinere DJ-Abende im gemütlichen „Kaminzimmer“ geben“, erklärt Sungur. „Ansonsten können Privatleute oder Veranstalter die Räume mit Einrichtung, Gastronomie und Personal über uns anmieten“, ergänzt Kloss. Vieles am Interieur wurde in Eigenarbeit stark verändert, gerade der Raum mit DJ-Pult wirkt größer und offener, nachdem eine Empore verschwand und die Fensterfronten wieder offengelegt sind. Mit viel Holzvertäfelung und teils bewusst altmodischen Möbeln fühlt man sich eher wie in einer herrschaftlichen Villa – ohne unnötigen Kitsch. Diese Mischung aus Club und Gemütlichkeit machte ja schon den Reiz des „alten“ Ponyhofs aus.

www.ponyhof-darmstadt.de

 

Weststadtcafé

Foto: Weststadtcafè
Foto: Weststadtcafé

Die Weststadtcafé-Saison geht wieder los. Seit Ende der 1990er hält sich die Mischung aus Club und Biergartencafé an Gleis 378 als zeitloser Geheimtipp der Darmstädter Szene.

Im letzten Jahr war es schon mehr als ein Geheimtipp, was ab und an etwas Probleme bereitete. Einige Fragen an Geschäftsführer Boris Redlich zu den Highlights der neuen Saison und den Umgang mit unvorhergesehenen Situationen.

Wann und wie geht es im April los und bis wann wird die Saison dauern?
Sobald das Wetter schön wird. Offizieller Saisonauftakt ist aber der „Tanz in den Mai“ mit zwei Dancefloors. In der Halle spielen Thomas Hammann und Phonk D. Im Open-Air-Bereich gibt es den Allstar-Reggae-Yard mit Riot & Wayne Hard. Die Saison geht dann bis September.

Welche Highlights stehen schon fest?
Es wird wohl ein Sommerfest des Blumen geben, den „Darmstadt Groove Trail“ von Topshake und die Benefizveranstaltung „Mahatmakarma“. Außerdem am 16.06. „Nightwash“-Comedy, am 30.06. das 2. Open Air Schnickschnackshopping und am 18.08. einen Kreativflohmarkt. Dazu noch regelmäßige Genre-Events wie „Uppercut Reggae Yard“ (jeden 2. Freitag im Monat), „Endlich Tanzen“ (3. Freitag), „The Soul Knights Experience“ (4. Feitag), „Digging In The Crates“ (3. Samstag) und „Back To Life“ (4. Samstag).

Zuletzt gab es manchmal Probleme mit Nachbarn wegen der Lautstärke. Wie gehst Du damit um?
Probleme gab es nur bei extrem lauten Partys mit elektronischer Musik und bei Liveacts im Freien. Letzteres wird es so nicht mehr geben können. Für die Zügelung der Lautstärke bei Elektro wird es einen Limiter geben. Das war auch definitiv oft viel zu laut.

Es gab im letzten Sommer einen gewalttätigen Vorfall. Wie reagierst Du darauf?
Nach 15 Jahren Weststadtcafé ohne nennenswerte Vorfälle gab es tatsächlich beim letzten „Tanz in den Mai“ eine üble Schlägerei. Bei einigen Veranstaltungen wird es sinnvoll sein, mit einem Türsteher zu arbeiten. Ich denke aber, dass die Atmosphäre, die bei uns herrscht, im Großen und Ganzen befriedend wirkt und dieser eine Vorfall die absolute Ausnahme bleibt.

www.weststadtcafe.de

 

Mullbinde

Mullbinde
Foto: Mullbinde

Wenig gesprächig gaben sich bisher die zwei Macher des relativ neuen Klubs „Mullbinde“ – aber das scheint zum Konzept zu gehören.

Seit November 2012 landeten immer wieder vereinzelte, knappe Hinweise zu Partys in der „Mullbinde“ auf unserem Schreibtisch oder im Internet, ohne dass wir den Club genau lokalisieren konnten. Umso überraschter waren wir, als sich uns erstmals die ziemlich unscheinbare Tür mit Sehschlitz öffnete, sich dahinter Dutzende Menschen dicht an dicht drängten und der Schweiß von der Decke tropfte. Es hatten wohl doch schon einige mitbekommen, wo der Bär steppt – obwohl wir den genauen Ort auch in diesem Artikel nicht erwähnen dürfen. „Wir wollen exklusiv bleiben, sonst verliert das hier ganz schnell seinen Charme“, sagt der Hauptorganisator, der erst letztes Jahr der Liebe wegen von Berlin nach Darmstadt zog.

In der Hauptstadt betrieb er jahrelang einen erfolgreichen Club – daher rühren auch seine zahlreichen Kontakte zu namhaften Künstlern, die er jetzt unter Pseudonymen hier ins kleine Darmstadt lockt. „Die sind teilweise nur noch die ganz großen Dinger gewohnt. Denen sage ich: ‚Kommt hier vorbei und spielt in meiner kleinen Klitsche, wo ihr noch jedem Gast in die Augen blicken könnt.‘ Und die lieben das!“, lacht der nicht mehr ganz so misstrauische Clubeigner.

Wie in einer Art „Sneak Preview“ wussten auch wir vorher nicht, wer sich hinter dem DJ-Pseudonym des Abends, „Withlay Cough“, verbarg und waren wirklich baff, als … na ja, dürfen wir leider wieder nicht schreiben. „Der Name ‚Mullbinde‘ meint eben, dass vieles verborgen bleiben soll … und das wir uns in der Nähe eines Hospitals befinden.“ Diesen kleinen Hinweis dürfen wir also doch geben.

www.facebook.com/Mullbinde

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