Foto: Daniela Krug

Nur knapp 50 Kilometer von Darmstadt entfernt wurden am 19. Februar dieses Jahres neun Menschen einzig aufgrund ihrer (vermeintlichen) Herkunft ermordet. Seit einigen Wochen kleben über Darmstadt verteilt Plakate mit den Namen der Todesopfer des Amoklaufs von Hanau an Betonwänden, Stromkästen und anderen Stellen. Über „wildes“ Plakatieren kann und darf man diskutieren, nicht jede Stelle macht visuell und strafrechtlich Sinn. Aber es stellt sich die Frage, ob dies der einzige Grund für das vielfache Abreißen und mutwillige Zerstören der Plakate ist.

Beim Übermalen der Plakate mit Schriftzügen wie „Lüge“ oder mit Hakenkreuzen stellt sich diese Frage nicht mehr. Da wird eine andere Intention gewahr: eine durchweg rassistische, durchweg menschenfeindliche.

Genau das ist die Brutstätte für jene Geisteshaltung, die in dieser Stadt eine schlimme Tradition hat. Noch vor der Machtübernahme erzielte die NSDAP bei der Landtagswahl 1931 bereits 45 Prozent der Stimmen Darmstädter Bürger, bei der Reichstagswahl 1933 stieg der Anteil auf 50 Prozent. Beide Werte lagen landes- und reichsweit im Vergleich weit über dem Durchschnitt. Es ist diese wesentliche Geisteshaltung, die sich hinter dem Verschandeln der Gedenkplakate verbirgt. Die Gesinnung derjeniger, die ein Miteinander nicht ertragen wollen, nicht mal ein Nebeneinander – nur ein Gegeneinander.

Wir als Darmstädter Bürger müssen dafür sorgen, dass eine solche Geisteshaltung in dieser Stadt niemals wieder mehrheitsfähig wird. Insofern ist das Zerstören der Plakate ein klares Warnsignal. Auch hier – 50 Kilometer entfernt von Hanau – gibt es Menschenfeinde. Lasst uns daher die Namen der Opfer nie vergessen: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kenan Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

 

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