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Foto: Jan Ehlers

Ein feucht­schwüler Mittwochabend im August, entspanntes Zusammentreffen mit den eklektischen Funk-Psychedelic-Fusion-Rockern Wight aus Darmstadt in der altehrwürdigen Oetinger Villa. Hier probt die Band seit 2009, hier werden sie Ende September ihr neues Album offiziell der Öffentlichkeit präsentieren. Auf der Treppe vor dem Haupteingang macht das P es sich mit René Hofmann (Gitarre, Gesang), Peter­-Philipp Schierhorn (Bass), Thomas Kurek (Drums) und Steffen Kirchpfening (Percussion) gemütlich.

Das ist Euer zweites Interview für die Blackbox im P. Erinnert Ihr Euch noch an das erste?

Peter: Ja, das muss im Januar 2011 gewesen sein, da kam gerade unsere erste Platte raus. Ich glaube, das war unser erstes Interview überhaupt.

 

Neben René und Peter, die auch damals unsere Gesprächspartner waren, sind nun Thomas und Steffen als Bandmitglieder dabei. Aber vor allem hat sich ja musikalisch einiges getan seit Eurer ersten Platte „Wight Weedy Wight“. Die war ja musikalisch noch …

Peter: Doom! Doom fickt gut!

René: Doomer, als die Polizei erlaubt!

Thomas: Guant­doom­amera!

 

… jedenfalls 2012 dann die zweite Platte, damals noch mit Michael Kluck an den Drums.

P: Die war nicht mehr ganz so doom, da waren wir schon intelligenter.

 

Wie war das, als Thomas dazu kam?

T: Im Mai 2013 sagten René und Peter mir, dass sie eine England­-Tour gebucht hätten und ihnen ein Schlagzeuger fehlen würde.

P: Na ja, diese Tour war schon gebucht und wir standen eben ohne Schlagzeuger da.

Wer hat die denn gebucht?

R: Chris West, den kannte ich, weil ich damals seine Band Trippy Wicked in die Oetinger Villa eingeladen hatte. Wir haben sie dann auf eine Tour hier durch Deutschland eingeladen.

P: Dafür haben sie sich gerächt und uns nach England gebucht.

 

Das war quasi die Bewährungsprobe für Thomas?

P: Wir haben ihm gesagt, wir schauen mal, wie das läuft. Danach wurde nie wieder drüber gesprochen. [allgemeines Gelächter]

T: Jedenfalls war ich dann in der Band und wir haben auch gleich angefangen, zusammen neue Songs zu schreiben.

 

Drei Jahre später kommt endlich Eure neue Platte raus.

R: Richtig, am 16.09. wird sie offiziell veröffentlicht.

P: Release­-Konzert eine Woche später, am 24.09., hier in der Oetinger Villa.

Das ist ja quasi eure Homebase.

R: Ist ja auch total einfach, man muss aus dem Proberaum im Keller nur einmal die Treppe rauf.

 

Aber zwischendrin habt Ihr weiteren Zuwachs bekommen, den Steffen als Percussionisten. Was ja irgendwie gar nicht so typisch ist bei einer klassischen Rockformation. Wann kamt Ihr auf die Idee, ein weiteres Bandmitglied hinzuzunehmen?

T: Wir hatten die Songs bereits zu dritt aufgenommen. Dann dachten wir, dass an bestimmte Stellen noch Percussion oder Orgel passen könnte. Darauf fragte ich Steffen, den ich aus meinem Studium kannte. Er kam dann aufs Flörsheim Open Air, um sich das live anzuschauen.

S: Ich erinnere mich verschwommen …

R: Zwei Plastikflaschen mit Wodka.

S: Stimmt. Ich hatte mir vorher Videos von der ersten Platte angeschaut und war nicht so überzeugt. Live hat mich das aber umgehauen, wie tight das war.

R: Tight heißt übrigens eng.

P: Nein, maximales Zusammenwirken!

R: Ich hatte schon einige Ideen mit der Percussion. Wir haben Steffen dann die Tracks geschickt, damit er sich Gedanken macht. Er sollte sich nach einem Monat mit ein paar Ideen melden, aber schon nach anderthalb Wochen sagte er, er wäre so weit. Wir waren ziemlich überrascht, denn wir hatten nur ein paar Parts erwartet, aber er hatte sich ein Programm für das komplette Album erarbeitet. Dann haben wir ihn in die Probe eingeladen und es wurde nie wieder drüber gesprochen. [allgemeines Gelächter]

P: Genau! Der ist auch einfach gekommen und nie wieder gegangen!

Das heißt, Ihr habt das Ganze dann auch so aufgenommen?

S: Ja, das war ein bisschen verwirrend. Ich dachte, wir reden da sehr viel drüber.

R: Wir haben das einfach aufgenommen und dann war das so.

T: Bei uns kümmert sich jeder selbst um seine Parts. Natürlich kommen dann Anregungen von den anderen, aber es macht schon jeder seinen Teil.

S: Und ich dachte, wir führen lange Gespräche und tüfteln das aus.

R: Nee. Jeder wirft eben seinen Kram in den Topf, dann rühren wir das um und dann kommt Eiscreme raus.

S: Mir ist von den Aufnahmen in Erinnerung geblieben, dass ich extrem Schiss hatte, auch weil René als Produzent so professionell wirkte. Er hat aber diese Technik des Eierkraulens angewandt, die ich auch später noch beobachten durfte: „Das hast Du total super gemacht, aber probier das doch vielleicht noch einmal anders.“

 

Das ist ja auch was, was man als Produzent draufhaben muss, oder?

P: Ja, das Pädagogische.

R: Ich nenne es Pädagogo.

Alle: Pädagogo-­Girls!

 

Das Schreiben und die Aufnahmen des neuen Albums haben ja doch ziemlich lange gedauert. Woran lag’s?

P: Die Songs waren geschrieben, im Januar 2015 haben wir sie aufgenommen. Wir sind damit aber auch viel getourt, unter anderem 2014 die Balkan­tour mit unseren Darmstädter Freunden Bushfire. Das waren Erfahrungen, die uns sehr geprägt, aber auch Zeit in Anspruch genommen haben.

R: Wir sind eben keine Studenten mehr. Früher haben wir in einem Jahr ein Album geschrieben und aufgenommen.

P: Da wollen wir aber auch wieder hin.

 

Fühlt sich die neue Platte dadurch also schon wieder alt an?

P: Ja, irgendwie schon. Deshalb wird es Zeit, das Ding endlich rauszubringen. Das hat aber auch schon Tradition, bei den Platten davor war es genauso, dass wir die Songs erst live viel gespielt haben, bevor sie offiziell veröffentlicht wurden.

 

Was steht denn nach dem Release dieses Jahr noch an?

R: Zwischen den Jahren gehen wir auf Tour mit Kes aus Istanbul. Die haben wir über Hüseyin Köroglu [Besidos, Darmstädter Musikpreisträger] kennengelernt und uns gedacht, dass es toll wäre, sie einzuladen. Es hat sich ja gezeigt, dass man sich gegenseitig befruchtet, wenn man mit verschiedenen Kulturen zusammentrifft und musiziert. Da geht es durch Deutschland, in die Schweiz und – das erfahrt Ihr hier und jetzt als Erste – wir werden am 31.12. in der Krone spielen. Aber nur bis 23 Uhr, denn dann kommt die Helene Fischer aus der Box.

S: Ist Euch eigentlich klar, dass wir damit sogar ein politisches Statement setzen und die deutsch-türkischen Beziehungen stärken?

R: Ja, auf jeden Fall! Dafür gibt’s dann auch den Darmstädter Musikpreis. [allgemeines Gelächter]

 

Gut, das nehmen wir mal als Bewerbung an! Letzte Frage: Was ist Euer Lieblingstier?

R: Ich werde ja immer als Hippie bezeichnet und wurde das auch neulich schon mal gefragt. Da sagte ich: der Zapfhahn.

P: Der Rackelhahn! Zwei von uns haben den nämlich tätowiert, die anderen sind ein bisschen neidisch drauf.

T: Oder Tina Abturner, das schreiende Gummihuhn, das wir letztes Jahr in Portugal gekauft und seitdem immer bei Auftritten dabei haben.

 

Wight

Die neue Platte „Love Is Not Only What You Know“ ist ab 16.09. erhältlich.

www.wightism.com

 

Record Release Party

Zusammen mit den Desert-Rockern Operators (Berlin) und DJ Procacci stellen Wight ihr neues Album live vor. Besitzer eines Vorverkaufs-Tickets erhalten die neue Platte als CD gratis am Einlass!

Oetinger Villa | Sa, 24.09. | 20 Uhr | 11 Euro
Danke fürs Gespräch.

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