Fotos: Das Blumen
Foto: Das Blumen

Wenn man in einem „verwahrlosten  Würfel” (Echo online, 18. Februar 2011), an dem ein großer gelber Leuchtkasten „Blumen” verspricht  und dessen Schaufenster ganzen Inszenierungen Raum bieten arbeitet, wohnt, lacht und streitet, dann kann man nur ein Kulturverein der ganz besonderen  Art sein. Die Vereinsmitglieder des „Blumen e.V.” bezeichneten sich selbst einmal als „mysteriöse Gruppe von Studenten, die sich gefunden haben, um das Darmstädter Kulturleben aufzufrischen.”

Ein Ansatz, den sie in den letzten Jahren löblich erfüllten. Denn das ambitionierte Team bespielte die einstige Friedhofsgärtnerei  in der Nieder-Ramstädter-Straße auf vielfältige  Art: Neben Konzerten  und Partys gab es Lesungen, Vorträge, Kurzfilmabende und Pecha Kucha-Nights – jeder Programmpunkt gut abzulesen am Leuchtschaukasten unter dem „Blumen”-Schild an der Fassade. Einmal im Monat lockte das „Wohnzimmer” zum Spieleabend und im Spätsommer letzten Jahres wurde sogar mal eine Hochzeit gefeiert. Einige Leute „des zusammengewachsenen Haufens Kreativer mit Visionen”, wie Lea Luckenbach ihre Gruppe nennt, zogen gar für eine Woche in den 1950er-Jahre-Würfel ein und ließen sich beim Leben, Renovieren, Arbeiten und Feiern durch die Schaufenster beobachten. Apropos Schaufenster: Deren kreative Inszenierungen sind beinahe schon legendär und boten jedem Autofahrer, der gezwungenermaßen auf Grün warten musste, interessante Kurzweil. „Ihr seid doch die mit den Schaufenstern” ist daher ein Satz, den die Blumen-Leute oft hören.

Nun gibt es bereits das erste „Blumen”-Baby, und der 3. November, der „Blumen”-Feiertag, an dem das Kulturprojekt einst offiziell zum Verein erklärt wurde, wird in schöner Robe, mit Sekt, einem Ständchen und Blumen für „Das Blumen” zelebriert. Keine Frage: Hier haben sich Menschen getroffen, die mit Herz und Seele Stadtkultur machen wollen.

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Illustration: Hans-Jörg Brehm

Dass es in den letzten Monaten ruhiger geworden war, lag nach Auskunft der „Blumen“-Betreiber am Architektur- und Innenarchitektur-Diplom, das einige der 15 Teammitglieder zu bewältigen hatten. Jetzt stehen neue Projekte an, die mit Engagement und Spaß umgesetzt werden wollen: Pünktlich zum Architektursommer Rhein-Main 2011 werden nicht nur fünf Veranstaltungen angeboten, sondern auch „Das Blumen” selbst soll in neuem beziehungsweise altem Glanz – nämlich rückgebaut in den Urzustand – erstrahlen. Für Anfang Juni planen die involvierten Architekten, Innenarchitekten, Sozialpädagogen, Bauingenieure, Biologen und „Sepp von gegenüber“ die Neueröffnung, so „Blumen”- Macher Andreas Balles.

Die positiven  Erfahrungen  der letzten vier Jahre sind die Grundlage für das zukünftige Programm: ruhige, nette Abende, gefüllt mit interdisziplinärer Kunst und Kultur, Singer/Songwriter-Konzerte in Kneipenatmosphäre, Lesungen, Theateraufführungen und Ausstellungen sind unter anderem geplant. Mit diesem Konzept kommt der Verein auch den von der Stadt neu bestimmten Auflagen entgegen. Klein und fein soll es werden, das neue „Blumen”, mit vier bis fünf Veranstaltungen im Monat. Folglich gibt sich das Team erst einmal entspannt.

„Wir werden mal schauen, wo es hingeht und wie sich alles entwickelt”, sagt Andreas Balles. Damit ist auch das Wohlwollen der Ämter gemeint und der neue Bebauungsplan S 23, den das Stadtparlament im Februar 2011 verabschiedet hat und der vorgibt, wie an der Kreuzung Nieder-Ramstädter-Straße / Heinrichstraße künftig neue Gebäude entstehen sollen. „Aber wir sind bereit und haben auf alle Fälle große Lust.”

Diese Lust an Kultur kann man genießen, wenn man einer der fünf Veranstaltungen im Rahmen des Architektursommers beiwohnt, wie beispielsweise einer Überraschungs-„Disko-ssion”, einem „Unterführungs-Theaterstück” oder einem „Wohnzimmer-Picknick im Stadtraum”. Eine Horde Stühle wurde dazu gesammelt, ihre Beine in grüne Farbe, der Farbe des „Blumen“, getunkt. Die Stühle werden den jeweiligen Stadtraum zum Veranstaltungsort umfunktionieren. Am Ende des Sommers werden sie versteigert. Der Erlös kommt dem Verein zugute.

Momentan zahlen die Vereinsmitglieder des Blumen e.V. kräftig drauf für ihr Lieblingskind – allein der Spaß ist der Verdienst. Dass sie so nicht lange Kultur anbieten können, ist ihnen klar, darum suchen sie händeringend Sponsoren. Kontakt und alle Informationen zum Programm finden Neugierige unter www.dasblumen.de.

„Wir lachen viel und schreien uns an. Wir sind einfach ein starkes Team und die letzten Jahre hatten wir hier viele tolle Momente. Ich bleibe auf alle Fälle so lange in Darmstadt, so lange es ,Das Blumen‘ gibt”, sagt Lea. Ein schönes Schlusswort.

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