Foto: Nouki Ehlers, nouki.co

Groß, grün und grimmig. Nein, nicht der unglaubliche Hulk, sondern eines von vielen Reiterstandbildern, die man so gut wie überall auf der Welt finden kann. Im hiesigen Fall zeigt es Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein als Feldkommandeur in dem zwischen 1870 und 1871 wütenden Frankreich-Krieg.

Reiterstandbilder gibt es seit der römischen Antike, bei den bronzenen Reitern handelt es sich zumeist um Heerführer und Herrscher. Man könnte denken, dass diese problematische Form der Darstellung und Verherrlichung von Kriegstreibern nach gut 2.000 Jahren blutiger Konflikte endlich aus der Mode kommen würde. Doch ganz im Gegenteil: Die Inszenierung mächtiger Männer zu Pferde hat in den vergangenen Jahren eine regelrechte Renaissance erlebt. Nicht mehr in Form massiver Denkmäler aus Stein und Metall, sondern als medienwirksame und bewusst verbreitete Fotografien. Ein Paradebeispiel sind die Bilder des oberkörperfrei reitenden Wladimir Putin. Irgendwo in der russischen Pampa sehen wir ihn: ein Mann, ein Pferd und die Wildnis. Für eine Weile waren diese Fotografien nichts weiter als Steilvorlagen für lustige Collagen im Internet. Mal wird Putin auf andere Tiere verpflanzt und es wird absurd, andere Variationen zeigen seicht homoerotische Szenen mit anderen Staatsmännern.

Mit Blick auf den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine verlieren jene Collagen ihre Leichtigkeit. Ihre Grundlage erscheint nicht mehr lächerlich, sondern gefährlich. In Zukunft sollten uns derartige Bilder wieder verstärkt als Warnsignale dienen. Denn Symbole dieser Art frühzeitig lesen und richtig einordnen zu können, kann unter Umständen Leben retten.

 

Kunst im öffentlichen Raum

Kunst findet man nicht nur in Museen und Galerien, sondern oft auch im Freien und für jeden sichtbar. Manche Werke sind schon seit Jahrhunderten ein Teil des Stadtbildes, andere zieren es nur kurz. In Darmstadt haben einige Fügungen des Schicksals dafür gesorgt, dass es besonders viele Kunstwerke im öffentlichen Raum gibt. Ohne die schützenden Laborbedingungen eines White Cube gehen sie allerdings schnell unter. Dabei können gerade diese stillen Zeitgenossen unsere Wahrnehmung des Stadtraumes verändern und unser Verständnis von Welt herausfordern. Eine Einladung zum Fantasieren.

 

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