Foto: Jan Ehlers
Foto: Jan Ehlers

Die Sonne scheint, heut’ ist ein super Tag, wir geh’n ins Stadion, ole ole ola… Von wegen: Als ich mich auf den Weg zum Bölle mache, um zwei der Erfolgsgaranten des SV 98, Kapitän und Torwart Jan Zimmermann und die noch etwas jetlag-geschädigte Offensivkraft Preston Zimmerman, zum Hörspiel zu treffen, ist der Himmel dunkelgrau. Und zu allem Überfluss steht der Mannschaft bei ihrem Trainingslager in der Türkei auch kein besseres Wetter bevor. Hätten sie eigentlich ja auch hier bleiben können. Aber das P weiß: Mit Musik lassen sich die Widrigkeiten des Alltags besser ertragen.

 

Bad Boys Of The Aral Tanke „Es is schee beim SVD“

Eines der 22 Sahnefilets in Blau-Weiß, die sich 1999 auf dem gleichnamigen Liliensampler befanden – die Bad Boys geben erdigen Rock.

[Jan ringt sich beim Refrain ein Lächeln ab.]

Wäre das was als Einlaufmelodie in der Rückrunde?

Jan: Nee, das ist zwar rockig, hat aber einen zu geringen Mitsinganteil. Der Text ist nicht massen-mitsing-kompatibel. Es ist positiv für die Mannschaft, wenn alle Fans gemeinsam mitsingen.

 

Hayseed Dixie „Hell’s Bells“

Die amerikanischen Hillbillies mit ihrer Bluegrass-Version des echten Einlaufsongs, den AC/DC nicht nur an die „Lilien“, sondern auch an den FC St. Pauli verscherbelt haben.

Preston: Das ist Country…
Jan: Das ist „Hell’s Bells“… aber von wem?

Das sind Hayseed Dixie.

Jan: Gut gemacht!
Preston: Aber mit Country Music kann man echt nicht ins Stadion einlaufen.

 

Fleet Foxes „Ragged Wood“

Nach Nirvana gibt’s endlich eine neue große Rockband aus Seattle, Prestons Heimatstadt.

Preston, das kommt aus Deiner Heimatstadt.

Preston [verzieht das Gesicht leicht]: Das ist nicht aus meiner Zeit…
Jan: Ich hab’s auch noch nie gehört.

Ist aber ganz neu!

Jan: Zu der Zeit warst Du wahrscheinlich nicht mehr in Seattle.
Preston: Meine Familie hört eher Country… und natürlich Nirvana und Pearl Jam… die sind berühmt in Seattle
[Hätt’ ich ma die erste Nirvana-Single mitgenommen, aber ich dachte, das ist zu einfach… und „Touch Me, I’m Sick“ von Mudhoney ist zu schwer, das erkennt ja höchstens der Fotograf, Anm. d. Red.].

 

Elvis Presley „You’ll Never Walk Alone“

Der Mann hatte erwiesenermaßen nix mit Fußball am Hut, aber das hinderte ihn nicht, diesen Rodgers/Hammerstein-Broadway-Klassiker zu croonen.

Jan: Das Stadionlied schlechthin…
Preston: Das passt nicht!
Jan: Was? Amateur! Das ist „You’ll Never Walk Alone“!
Preston: Ach so, ja klar!
Jan: Bei Celtic Glasgow läuft immer das Original, ich hab die Version der singenden Celtic-Fans auf dem Handy. [Nach dem FC Liverpool, wo der Song schon seit 1963 gesungen wird, war Celtic der zweite Club, der dessen Potenzial erkannte, Anm. d. Red.]

Ist Euch das nicht inzwischen zu abgenudelt?

Jan: Nein, auf gar keinen Fall. Für jeden Fußballer ist es das Größte, wenn die Fans das nach dem Spiel singen. In der zurückliegenden Aufstiegssaison kam das häufig vor, und auch in dieser Hinrunde haben die Fans es schon zweimal gesungen – das ist super!

Und von wem ist diese Version hier?

Preston: Das ist Elvis Presley!

 

Superbuffy „Lilie, oh Lilie“

Wo wir gerade bei Fußball-Klassikern sind, darf Alberto Coluccis gern gesungener Liliensong nicht fehlen, hier aber in der Grufti-Version des ominösen Superbuffy.

Preston: Jan, das musst Du wissen.
Jan: Oh je, was ist das für eine Version? Als Einlauflied jedenfalls nicht geeignet.

Trifft es denn in etwa die Stimmung nach einem Gegentreffer in der 89. Minute?

Jan [überlegt]: Nein, dafür ist in dem Song zu wenig Aggressivität drin. Der trifft eher die Stimmung auf der Bus-Heimfahrt, wenn der erste Ärger verraucht und man nur noch deprimiert ist.

Versteht Ihr eigentlich auch immer „Die Spieler sind alle breit“?

Jan: Nein – wir wissen ja, dass der Alberto „bereit“ singt.

Die meisten Fans singen aber „breit“ mit… Was haltet Ihr denn eigentlich vom Hessen-Fred: „Beim SVD, da holt ma keine Punkte“?

Jan: Das ist auch super, das läuft ja vor den Spielen immer…

 

Bob Dylan „All Along The Watchtower“

Jetzt betreten wir die Konzeptzone der von hinten durch die Brust zielenden Musiknerds der P-Redaktion: Warum kommt jetzt wohl Bob Dylan? Na…?

Preston: Wolfmother, „Joker and the Thief“?

Leider nein. Jan, wie sieht’s aus?

Jan: Ich kenn’s auch nicht.

Äh, das war Bob Dylan, ich mach schnell mal was anderes drauf…

 

Element of Crime „Robert Zimmermann”

… na, weil der Bob mit bürgerlichem Namen natürlich Robert Zimmermann heißt – wie es hier von Sven Regener und seinen alten Herren von Element of Crime im gleichnamigen Song auch besungen wird.

Teilnahmsloses Zuhören…

Jan [lacht bei der Erwähnung des Namens „Zimmermann“ im Songtitel]: Kenn’ ich gar nicht…

Das ist Element of Crime, der Song ist nach dem bürgerlichen Namen von Bob Dylan benannt.

Jan und Preston: Das war aber auch ganz an den Haaren herbeigezogen. [Sagt das mal unserem Vize-Chefredakteur, der hätte Euch auch noch die erste „Ede und die Zimmermänner“-Single von 1980 vorgespielt…, Anm. d. Red.]

Jan: Da kriegen meine Eltern aber Ärger, die sind große Element-of-Crime-Fans, dass sie mir davon noch nichts erzählt haben. Das ist gut!

Kommt das nicht häufiger vor, dass die Medien Euch beide im Doppelpack holen wegen der Namensgleichheit?

Jan und Preston: Nee, Ihr seid die ersten.

Na immerhin. Habt Ihr denn noch eine abschließende Botschaft an die P-Leser? Könnt Ihr uns den Klassenerhalt versprechen?

Jan [ganz Kapitän]: Der Klassenerhalt hat natürlich oberste Priorität, dafür arbeiten wir jeden Tag hart. Was man nicht vergessen darf: Trotz der beiden Negativerlebnisse kurz vor der Winterpause haben wir es als Aufsteiger geschafft, fünf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze zu sammeln. Wir haben eine Mannschaft aus der Regionalliga mit kleinem Budget, und andere Mannschaften, die mit großen Ambitionen gestartet waren wie Jena und Bielefeld, hinter uns gelassen. Also unsere Message: Wenn man mal schlecht drauf ist, wenn – was gaaanz selten vorkommt – die „Lilien“ verlieren, dann darf man mal die Musik missbrauchen, um sich wieder aufzubauen.

 

Fazit: Dem ist nichts hinzuzufügen – außer vielleicht: Im Zweifel lieber den Hessen-Fred als Superbuffy wählen… Gleichzeitig aber immer an die Worte von Bruno Labbadia denken: „Macht immer konsequent Euer Ding, so wie der Gerry Wrede!“ Dann klappt’s auch mit dem Klassenerhalt!

 

Artikel drucken Artikel versenden