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Foto: Jan Ehlers

Geheimtipp ist ein überstrapazierter Begriff. Bei den Kellerkonzerten des Jazzclubs Darmstadt passt er aber ziemlich genau. Dort, im Keller des Achteckigen Hauses, versteckt am Rand des parkähnliches Vorgartens in der Mauerstraße 17 im Martinsviertel gelegen, spielen im Winterhalbjahr fast jeden Samstag Jazzgrößen aus Darmstadt und Umgebung. Viel Platz ist nicht in dem Gewölbe. Dafür sitzt man an den alten Brauerei-Tischen praktisch auf der Bühne. Bier und Wein gibt es für kleines Geld, und die Pappteller mit Salzstangen und Erdnussflips scheinen seit den 1970er Jahren unverändert – der Zeit, als die ganze Sache anfing.

Gegründet wurde der Jazzclub im Jahr 1975 – aus der Not heraus. Die Band „En Haufe Leit“ suchte eigentlich einen Proberaum und fand nach langer Suche beim damaligen Oberbürgermeister Günther Metzger ein offenes Ohr, den Keller des Achteckigen Hauses nutzen zu dürfen. Für diese städtische Kulturförderung mussten die 16 Musiker nicht nur den Verein Jazzclub Darmstadt e. V. gründen, sondern den Raum überhaupt erst mal nutzbar machen: also Erde ausheben, den Boden trocken legen, Toiletten und einen Notausgang schaffen sowie Elektrik und Wasserleitungen einziehen. „Wir haben hier einen sechsstelligen D-Mark-Betrag investiert“, berichtet der Vorsitzende Rolf Lang, „zum Teil aus eigener Tasche, aber auch mit Unterstützung der Sparkasse Darmstadt und der Stadt Darmstadt“.

Heute proben noch fünf weitere Bands im Keller: WTF?, Mystery Train, Get Ready, Cis-Band, Johnnys Jazz Collection. Der Verein hat 90 Mitglieder – und dennoch ein Problem: Der Vorstand besteht größtenteils immer noch aus den Gründungsmitgliedern und die möchten langsam mal aufhören. Zwar ist der Generationenwechsel mit Schriftführer und WTF?-Bassist Christian Kalawski bereits eingeläutet. „Aber es ist eben sehr viel Arbeit und wir brauchen einfach noch ein paar Leute, wenn der alte Vorstand in den Ruhestand geht“, sagt Kalawski. Schließlich muss regelmäßig Bier bestellt werden und auch stets genug Klopapier in den Toiletten hängen.

Dabei ist der Jazzclub, anders als man sich Jazzmusiker vielleicht vorstellen möchte, ordentlicher als so mancher Turnverein. Seine 40 Jahre Routine und Erfahrung hat Rolf Lang in einem Aktenordner verdichtet, als gelte es, ein Lehrbuch zu verfassen: „Vom Ablauf einer Vorstandssitzung über die Gema bis zur Reinigung der Zapfanlage steht hier alles drin“, erklärt Lang. Auch finanziell sei man gut aufgestellt. Gesucht werden nur noch die Menschen, „die den Laden zusammenhalten, die Leute anhauen, auch mal was zu machen, Spenden sammeln und Plakate kleben.“ Und wer sich engagiert, kann auch gestalten: „Wir wollen jetzt unter dem Programmpunkt ,Funkylectro’ auch ein bisschen Funk in Richtung Elektro machen“, gibt Kalawski einen Vorgeschmack auf die Zukunft des Jazzclubs.

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Foto: Jan Ehlers

Programm: 20 Konzerte von November bis Mai

Immer samstags ab 20.30 Uhr:

05.11.: Funkylectro XV mit Vibe Versa

12.11.: Swinging Tuxedos

19.11.: The Dullahans

26.11.: Katharina Maschmeyer Quartett

Nach der Weihnachtspause dann:

14.01.: Mr. Jellys Jam Band

21.01.: Skiffle Ramblers

28.01.: Monofunk

Weitere Termine unter www.jazzclub-darmstadt.de

Vom Holzmagazin zum Kulturort

Das Achteckige Haus in der Mauerstraße 17 ist das älteste noch bestehende Bauwerk im Martinsviertel. Das um 1630 errichtete Gartenhaus beeindruckt nicht nur durch seinen tatsächlich achteckigen Grundriss, sondern auch mit einer bewegten Geschichte: Hier wohnte Helene Martini, die Mätresse Ludwigs VIII., das Gebäude diente mal als fürstliches Holzmagazin, später als „Mauerspitälchen – Heilanstalt für chirurgische und Augenkranke“, danach als Badeanstalt und Wohnhaus. Heute nutzt der Jazzclub Darmstadt den Gewölbekeller für Konzerte und Lesungen, der obere Teil beherbergt die Geschäftsstelle des Konzertchors Darmstadt.

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