Foto: Jan Ehlers
Foto: Jan Ehlers

Da haben sich mal zwei zusammengetan … Der eine hat die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schwerste Plattensammlung Darmstadts (wenn es demnächst im Martinsviertel einen Deckendurchbruch geben sollte, weiß ich, bei wem…). Und das durchdringende Organ des anderen kann man außer beim Knabencore-Festival und den Gigs seiner aktuellen Band 47 Million Dollars auch schon mal am „Bölle“ hören. Zusammen haben Gunnar Schulz und Todd Jorgensen vor vier Jahren mit Millionaires Club ein exquisites, auf Deutschsprachiges spezialisiertes Punk-Hardcore-Rock-Label auf die Beine gestellt, das seine Vertragsverhandlungen gerne in heimischen Burgerbars durchführt.

Woher stammt der Labelname?

Gunnar + Todd: Wir wollten einen Namen, der nach „dicke Hose“ und „Bling-Bling“ klingt. Klar ist da auch eine ordentliche Portion Ironie mit im Spiel. Gleichzeitig sind im Namen und im Logo auch Parallelen zu Todds Band erkennbar.

Seit wann existiert das Label und warum wurde es gegründet?

G: Das Label haben wir 2010 ins Leben gerufen. Ich hatte schon länger Lust ein Plattenlabel zu machen und die Musik rauszubringen, die mir gefällt. Todd suchte damals mit seiner Band 47 Million Dollars nach einem neuen Label, um ihr kommendes Album zu releasen. Die Idee war geboren: Wir beide gründen ein Label und bringen die Platte selber auf den Markt. Davon mal abgesehen, dass wir beide gerne Labelbosse sind – ha ha!

Wie viele Releases gibt es?

G + T: Bisher haben wir vier Scheiben veröffentlicht. Unser erster Output war das „Unkaputtbar“-Album von 47 Million Dollars, gefolgt von Ehrenmords „Wolfsschnauze“ und der gemeinsamen Split-Single der beiden Bands. Unsere neueste und somit vierte Veröffentlichung wird diesen Monat erscheinen: Captain Capgras mit ihrem Debüt „Vom Leuchten und Verliern“.

In welchen Auflagen sind sie erschienen?

G + T: Von den CDs haben wir jeweils eine 1.000er-Auflage pressen lassen, von der Single 500 Stück. Wobei wir von der „Unkaputtbar“-CD und der Split-Single jeweils auch noch streng limitierte Sonderauflagen rausgebracht haben, die bereits während der Releaseshows vergriffen waren.

In welchen Formaten wird veröffentlicht und warum?

G + T: Bisher haben wir die Alben allesamt auf CD gepresst und die Split-Single auf Vinyl. An LPs haben wir immer mal gedacht und auch nach wie vor Bock drauf, aber es hat uns bisher immer das Budget gefehlt. Mal schauen, was in Zukunft kommt …

Welche Platte der Musikgeschichte hättet Ihr am liebsten veröffentlicht?

T: Da fallen mir sofort zwei ein: „The Shape of Punk to Come“ von Refused oder „The Process of“ von Turmoil.

G: Puuhh, ganz schwierige Frage. Da gibt es Dutzende, die ich benennen könnte. „Live at the Star-Club, Hamburg“ von Jerry Lee Lewis gehört zu meinen absoluten Lieblingsplatten. Der Rolling Stone schrieb nicht zu Unrecht: „Das ist kein Album, es ist ein Tatort“. Der traktierte – nicht nur bei diesem Konzertmittschnitt – sein Klavier mit Handkantenschlägen und drehte völlig durch. Bis heute eine der atemberaubendsten, wildesten und energetischsten Live-Aufnahmen überhaupt. Rohe Energie!

Bild: Millionaires Club
Bild: Millionaires Club

Welche Platte der Labelgeschichte hättet Ihr rückblickend betrachtet lieber nicht veröffentlicht?

G + T: Gibt’s keine!

Was ist der Labelbestseller?

G + T: Ganz klar 47 Million Dollars’ „Unkaputtbar“!

Was ist Eure Lieblingsplatte des Labels?

T: „Wolfsschnauze“ von Ehrenmord.

G: 47 Million Dollars’ „Unkaputtbar“

Wer ist Eure Lieblingskünstler auf dem eigenen Label?

G: Alle super!

T: Sicherlich hab ich Vorlieben. Aber letztendlich haben wir nur Bands auf dem Label, die uns zu 100 Prozent gefallen.

Und wer sind Eure Lieblingskünstler allgemein?

T: Da gibt’s unzählige: Biffy Clyro, Talking Heads, Beatsteaks, Sick Of It All, Enemies, …

G: Ebenso: Ramones, Twisted Sister, Gallows, Circle Jerks, Black Keys, Gluecifer, Syl Johnson, Roky Erickson, …

Was ist die Zukunftsperspektive für das Label?

G + T: Weiterhin qualitativ hochwertige und mitreißende Platten veröffentlichen. Wir hoffen, dass wir in den kommenden Monaten noch zwei bis drei tolle Scheiben raushauen können. Als nächste Veröffentlichung steht auf jeden Fall eine Label-Split-Single mit Bastardized Recordings an: 47 Million Dollars machen gemeinsame Sache mit Bloodattack aus Koblenz. Dann erwarten wir noch ein neues Immergrün-Album. Und 47 Million Dollars sind auch schon wieder fleißig am Songs-schreiben und wollen Anfang nächsten Jahres ins Studio, um ihren neuen Longplayer aufzunehmen.

Mehr Infos gibt’s auf: www.millionairesclub2010.de
 

Du betreibst auch ein Label in Darmstadt? Dann schreib‘ an die P-Redaktion: redaktion@p-verlag.de !

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