Foto: Jan Nouki Ehlers
Foto: Jan Ehlers

In Sachen Dezibel wie in Sachen Popularität schlägt ihn in unserer Stadt eigentlich keiner. Seit Pee Mastah Poo 2007 als Discjockey begann, gilt Darmstadt bei Seismographen wieder als erdbebengefährdet. Hinter dem DJ-Pult mutiert er mit schwingenden Armen zum knarzigen Elektro-Basstard. Mit Betonung auf Bass. Dabei ist Manuel Schoppa abseits der CD-Player fürsorglicher Vater von zwei Töchtern und ein sehr angenehmer Zeitgenosse, dessen Leben mittlerweile ziemlich gesittet und perspektivisch verläuft. Das war nicht immer so. Ein Gespräch über Windeln, Inkas und Sozialstunden.


P-Magazin: Was hat es mit Deinem DJ-Namen Pee Mastah Poo auf sich?

Manuel: Für meinen ersten DJ-Gig im 603qm musste ich mir spontan einen Namen überlegen. Meine erste Tochter war da gerade frisch auf der Welt und ich war täglich mit Windeln-wechseln beschäftigt. Ich fand’s daher witzig, was mit Pipi und Aa auf englisch im Namen zu haben. [grinst] Naja, meine Art von Humor eben …

Bist Du eigentlich waschechter Heiner?

Nicht ganz. Ich wurde 1979 in Lima, der Hauptstadt von Peru, geboren. Mein deutscher Vater arbeitete damals in der Entwicklungshilfe. Bei einem der Projekte lernte er meine peruanische Mutter kennen. Nach der Heirat und meiner Geburt ging es dann einige Jahre hin und her zwischen Peru und Deutschland. Erst mit dem Beginn meiner Schulzeit blieben wir dauerhaft in Darmstadt.

Jahrzehntelang war Peru ja ein politisch eher instabiles Land zwischen Diktatur, Oligarchie und Guerilla. Welche Verbindungen hast Du noch nach Peru?

Seit etwa zehn Jahren hat sich in Peru eine dauerhafte Demokratie gebildet. Das ganze Land blüht endlich auf. Auch kulturell. Die Verwandten meiner Mutter leben dort und die besuchen wir natürlich immer wieder. Und da meine Mutter indigenen Ursprungs ist, interessiere ich mich auch für die Inka-Kultur … [mit glänzenden Augen] … meines Wissens haben die auch als erste eine Art Bier gebraut.

Echt? [Anm. d. Red.: Unsere Recherche ergab erste Nachweise für Bier schon bei den Pharao-Ägyptern und in Alt-Mesopotamien (Irak). Egal, Prost!] Zurück nach Darmstadt und zu Deiner Vita.

Ich durchlief hier erst mal nicht ganz gradlinig einige Schulen …

Nicht ganz gradlinig?

[druckst etwas rum] Na ja, es war eben alles etwas wilder damals. Nach dem Abi kam dann erst ein Bio-Studium, das ich aber abbrach, als ich im 603qm anfing. Von 2004 bis 2009 war ich da im Technik-Team und in Orga-Gruppen für Veranstaltungen. Das war eine wunderbare Zeit. Derzeit habe ich verschiedene Jobs im Veranstaltungssektor, aber vor allem im Filmbereich. Ich befinde mich nämlich parallel im letzten Jahr meines Studiums der Digitalen Medientechnik in Dieburg. Das läuft super. Durch viele Kontakte bin ich da ganz optimistisch, was die Zukunft angeht.

Mit welcher Musik bist Du groß geworden?

Hab als Teenager den typischen Kram querbeet gehört. Später war HipHop ganz wichtig für mich. Cannibal Ox und so. Auch die ganze Kultur drum rum, also … äh … Wände gestalten und so.

Aha! Wahrscheinlich verjährt. Oder wurdest Du mal erwischt?

Nur einmal. Der Sohn des Hausbesitzers war dummerweise gerade in der Polizei-Ausbildung. Hab dann Sozialstunden abgeleistet. Geschirrspülen im Alice-Hospital.

Vom Tellerwäscher zum Elektro-DJ. Du bist ja nicht nur reiner DJ, sondern organisierst auch Events?

Im kleineren Rahmen. Im 603qm hatte ich bis zuletzt meine eigene Veranstaltungsreihe: das „Sägewerk“. Derzeit organisiere ich die Reihe „Bass an der Freud“ im Schlosskeller mit und werde demnächst mit dem Ex-Berliner Ramin Bahrami, der als „Fat & Ugly“ schon ziemlich bekannt ist, im Silbergold in Frankfurt was Regelmäßiges starten.

Was waren Deine Höhepunkte als DJ bisher?

Och je, da gab’s einige. Das erste Mal als Support vor einem großen Act, damals Modeselektor im 603qm, das war schon verdammt aufregend. Natürlich die ganzen anderen Supports für große Namen wie Mr. Oizo, Bloody Beetroots, Housemeister, DJ Feadz, Sebastian, Moonbootica und so. Aber auch die vielen Gigs mit DJ-Freunden aus anderen Städten wie den Jungs von Wazabi und Beens aus Köln, den Les Yper Sounds aus Frankfurt oder dem Berliner Fat & Ugly. Dadurch komme ich als DJ auch mal raus aus Darmstadt, was echt ganz erholsam sein kann.

Du gehst ja bei Deinen Gigs durchaus gern an Deine Grenzen. Gab es auch schlimme Abstürze?

Na ja, wie das eben so ist. Ich kann mich erinnern, wie ich nach einer heftigen Party mal unter freiem Himmel auf einer Sperrmüll-Matratze übernachtete und morgens um 8 Uhr von einer alten Oma mit Stock geweckt wurde. Die dachte wohl, ich sei halbtot.

Warst Du ja vielleicht auch. Wie bewertest Du derzeit die Party-Szenerie in Darmstadt?

Man kennt sich untereinander. Das ist ganz nett. Aber seit das 603qm schließen musste, merkt man wieder, wie klein und provinziell Darmstadt eigentlich ist. Ich schätze zwar auch die Überschaubarkeit, aber ein paar Jahre hatten wir hier immer wieder mal Großstadt-Flair, was Künstler angeht. Das fehlt echt. Ich hatte immer dem Gedanken gespielt, nach Berlin oder Madrid zu gehen, aber seitdem ich Vater bin, habe ich die Pläne begraben. [kratzt sich kurz] Ach, eigentlich fühle ich mich hier ganz wohl.

Danke für das Gespräch.

www.soundcloud.com/pee-mastah-poo

 

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