Illustration: Hans-Jörg Brehm

Der Skatepark an der Stadtmauer muss dem Neubau der Heinrich-Hoffmann-Schule weichen. Wie die Stadt dabei mit dem Verein umgeht, kommt bei den Skatern überhaupt nicht gut an. Zudem ist an dem von der Stadt vorgeschlagenen neuen Standort Ärger vorprogrammiert.

Das rund 7.500 Quadradmeter große Grundstück zwischen Stadtmauer, Jugendstilbad und Mühlstraße eignet sich nach Ansicht der Stadt Darmstadt „optimal“ für den Neubau eines dreizügigen Gebäudes für die Heinrich-Hoffmann-Schule, die derzeit noch an der Heinrichstraße/Ecke Hoffmannstraße liegt und aus allen Nähten platzt. Auch eine Kita solle ab Ende 2020 auf dem „städtebaulich hochwertigen Grundstück“ errichtet werden. Dabei werde auch „der alte Baumbestand berücksichtigt“, erklärt die Stadt. Denn Bäume fällen, das mögen die Darmstädter gar nicht.

Bleibt nur noch ein Problem: Auf dem Areal residiert neben einem Kinderspielplatz seit 1995 der 1. Darmstädter Skate- und BMX-Verein mit seinem Skatepark. Zwar wolle man einem Schulneubau natürlich nicht im Wege stehen. „Das ist doch klar“, sagt Finn Maurer, 18 Jahre alt und Jugendwart des Vereins. Aber die Angst sei groß, dass die Skater am Ende in die Röhre schauen.

Denn der Verein sei vom Vorgehen der Stadt „regelrecht überrumpelt“ und die Kommunikation gestalte sich sehr schwierig, klagt Maurer. So habe die Stadt den Skate- und BMX-Vorstand Michael Gerold im Oktober einbestellt, ohne ihm vorher den Grund des Gesprächs mitzuteilen. Dort habe das Planungsamt zunächst um Stillschweigen gebeten. Sodass die allermeisten Vereinsmitglieder im November aus der Zeitung erfuhren, dass ein Umzug beschlossen sei.

„Da hat unsere Whatsapp-Gruppe ganz schön geglüht“, erinnert sich Maurer. In einer Sondersitzung sei es dann erst mal darum gegangen, den Mitgliedern zu erklären, dass der Vorstand nicht einfach hinter ihrem Rücken einem Umzug zugestimmt habe. Allerdings sehe mittlerweile die Hälfte der rund 60 Vereinsmitglieder einen neuen Standort auch als Chance. Denn immerhin locke die Stadt mit deutlich besserem Asphalt dort.

Gemeinsam seien einige Forderungen erarbeitet worden. Erstens müsse ein reibungsloser Übergang gewährleistet sein – also der neue Park fertig sein, bevor der alte abgerissen wird. Dann dürfe neu nicht schlechter sein, also citynah und mindestens genauso groß. Auch müsse der neue Skatepark rechtlich abgesichert sein – auch oder gerade, was Lärmklagen angeht.

Und da wird es bei dem Gelände, auf dem die Stadt die Skater in einem „vielfältigen Sport-und Bewegungsangebot für alle Altersklassen“ ansiedeln möchte, schwierig. Denn das alte Rollhockeyfeld am TSG-Gelände hinterm Woog liegt nicht ohne Grund brach. Die Trainingszeiten sind dort nach erfolgreichen Lärmklagen von Anwohnern deutlich eingeschränkt.

Deshalb hat die Stadt ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben, dass Ende April vorliegen soll. Doch egal, wie das ausgeht, dürfte das wohl kaum Anwohner abhalten, gegen Skate-Geräusche zu klagen. Deshalb sei auch der Bürgerpark als Alternative denkbar, scheinen sich Verein und Stadt zumindest in diesem Punkt einig.

Ein weiterer Umstand bereitet dem Verein Sorge: Das Wort „Umzug“ suggeriere, dass die Stadt davon ausgehe, man könne die alten Rampen einfach an einen neuen Standort bewegen. Doch ließen sich die Holzteile kaum so zerlegen, dass sie danach noch brauchbar seien, erklärt Maurer. Rund 250.000 Euro werde der Bau neuer Pipes kosten, schätzt Maurer.

Doch im Großen und Ganzen scheint das bei der Stadt alles angekommen zu sein. Gegenüber dem P-Magazin versichert diese jedenfalls: An der Stadtmauer werde erst abgerissen, nachdem „die Stadt die Anlage an anderer Stelle auf eigene Kosten errichtet“ habe.

Und wer weiß, vielleicht springt für die Skater ja am Ende noch mehr heraus. Bei der Sondersitzung sei von den Mitgliedern vielfach der Wunsch nach einem Dach zum Schutz vor Regen geäußert worden, berichtet Maurer. Und überdacht, in einer Halle auf dem alten Schlachthofgelände an der Frankfurter Straße, hat der Verein ja auch mal vor fast 27 Jahren angefangen.

www.diestadtmauer.org

 

1. Stadtmauer Showdown

Auf einer der größten Holzrampen-Anlagen Deutschlands steigt endlich mal wieder ein größerer BMX-Contest mit ordentlich Preisgeld: Beim 1. Stadtmauer Showdown im Skatepark an der Lindenhofstraße fahren die Profis am Samstag, 27., und Sonntag, 28. April, jeweils von 12 bis 19 Uhr um Preisgelder von 2.000 Euro. Für die Amateur- und Kids-Klassen gibt es Sachpreise. Der Verein bietet Essen und Getränke an. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos im „Favoriten des Monats“ auf Seite 14 der aktuellen Ausgabe.

 

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