Foto: Nouki

Albrecht Haag ist das Gesicht hinter den Darmstädter Tagen der Fotografie (DTdF). Und nicht nur das. Gemeinsam mit anderen engagierten Menschen hat er bereits mehrere Kulturprojekte – wie die „Unwort-Bilder“-Ausstellung – ins Leben gerufen. Eigentlich spielt der 55-Jährige aber viel lieber im Hintergrund, die große Bühne ist nichts für ihn: „Ich wurde eher darauf geschubst, arbeite lieber in Gruppen als alleine im Rampenlicht.“

In diesem Jahr engagiert sich Albrecht das letzte Mal für das Fotofestival, das er einst mit vier weiteren Kollegen ins Leben rief [die 13. Darmstädter Tage der Fotografie laufen übrigens vom 24. April bis 3. Mai 2026]. „Ich mache Platz für andere, die nun übernehmen können.“

Ursprünglich stammt Albrecht Haag aus Eschollbrücken, sein Abi absolvierte er aber an der „LIO“ in Darmstadt. Im Odenwald ist er zur Kletterei gekommen. Nach eineinhalb Jahren Zivildienst als Rettungssanitäter arbeitete er als freier Fotoassistent im Rhein-Main-Gebiet und studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule Darmstadt (h_da). „Schon damals haben wir Kommilitonen uns zusammengetan, uns Fotostudios geteilt und eine Vortragsreihe, die ,Mittwochsvorträge‘, organisiert.“ Diese Jahre seien prägend gewesen, denn er habe erkannt, wie viel man gestalten kann, wenn man einfach anfängt. Und dass es im Team meistens besser klappt als alleine. „Deswegen rede ich auch oft in ,Wir-Form‘.“ Nach seinem Diplom wurde Albrecht als Darmstädter Stadtfotograf vorgeschlagen und gewählt – als Zweiter überhaupt, aber als Erster, der selbst aus der Heinerstadt stammt.

Zeit für einen Wechsel

Im Designhaus wurden seine Arbeiten – Fotografien der Stadteingänge aus allen Himmelsrichtungen – ausgestellt: der finale Push für ihn, eingangs genanntes Fotofestival ins Leben zu rufen. Gemeinsam mit Kollegen startete er das Event 2005. An Darmstadt weiß er dafür die „kurzen Dienstwege“ zu schätzen. Die Darmstädter Tage der Fotografie wurden gefördert und international bekannt. Zuletzt wurde dafür eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet. Leider entschied die Stadt, diese Rechtsform nicht weiter zu unterstützen – wofür Albrecht nach wie vor eine plausible Erklärung vermisst. Für den 55-Jährigen ist daher jetzt der Punkt, einen Wechsel einzuleiten. Für das Symposium, als Teil des Festivals, sind zum Beispiel die neuen Fotografie-Professoren der h_da als Organisatoren am Start.

Doch Albrecht Haag wird auch in Zukunft genug zu tun haben: als freier Fotograf für Architektur sowie mit dem Projekt „Kultur einer Digitalstadt“, das er 2018 mit Lukas Einsele gründete. Der gemeinnützige Verein veranstaltet Ausstellungen und Artist-in-Residence-Programme im Atelierhaus „LEW 1“ auf der Rosenhöhe und thematisiert dabei die Verbindung von Kunst und Wissenschaft.

Neben der Freiberuflichkeit ist Albrecht aktuell im Technologietransfer beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung tätig. „Hier bringe ich Technologien in die Gesellschaft. Das ist Kommunikation und Netzwerken – wie in der Kultur auch“, erklärt er.

Seine drei Kinder sind aus dem Haus. In Bessungen wohnt Albrecht aber noch immer – mittlerweile seit 25 Jahren. „Ich mag Bessungen und ich mag Darmstadt. Hier gibt es immer wieder neue Möglichkeiten.“ Seit über 40 Jahren ist er Kletterer und Alpinist zwischen Odenwald, Alpen und Yosemite. Da wird er dann künftig wieder häufiger anzutreffen sein.