Foto: André Hug

Auf eins war bislang in dieser Saison Verlass: die Heimstärke der Lilien. An Ostern führten die 98er gar die Heimtabelle der 2. Bundesliga an. Bereits Ende Februar hatte der SVD mehr Punkte am Böllenfalltor geholt als in der gesamten letzten Spielzeit. Dass „unter Pappeln“ oftmals ansehnlicher, erfolgreicher und unterhaltsamer Fußball gespielt wird, hat man auch anderswo längst erkannt.

Das Bölle spielt in dieser Saison eine Hauptrolle in der 2. Bundesliga. Das merkt jeder Lilienfan spätestens dann, wenn er oder sie sich an einem Samstagabend auf den Weg an die Nieder-Ramstädter-Straße macht. Denn das bedeutet immerhin, dass der SVD ein Heimspiel austrägt, das zur Primetime im Free-TV läuft. An jedem Spieltag kürt die Deutsche Fußball Liga (DFL) ein Topspiel, das exklusiv die volle Aufmerksamkeit aller Zweitligafans bekommt. Bis in den November hatte die DFL in dieser Hinsicht das Bölle links liegen lassen, erst dann stieg am 11. Spieltag unter Flutlicht das Duell gegen die Arminia aus Bielefeld zur besten Sendezeit. Bis Weihnachten folgten zwei weitere Highlight-Partien gegen Fürth und den Karlsruher SC. Die Aufeinandertreffen konnten sich sehen lassen. Für die Lilien sprangen in den drei Partien sieben Punkte heraus und selbst neutrale Zuschauer kamen bei durchschnittlich fünf Toren pro Begegnung auf ihre Kosten.

Alle Topspiele mit Lilien-Beteiligung zu Hause

Die DFL tat also gut daran, Anfang Februar wieder ein Heimspiel der Lilien zum Topspiel zu deklarieren. Kaiserslautern war mit Ex-Lilien-Coach Torsten Lieberknecht zu Gast und musste zu später Stunde mit einer 0:4-Klatsche im Gepäck die Heimreise antreten. Wieder erlebten die Zuschauer im Stadion und am Fernsehgerät ein begeisterndes Spiel. Gegen die Königsblauen aus Schalke folgte vor Kurzem das nächste Topspiel, das beim gerechten 1:1-Unentschieden reichlich Spannung zu bieten hatte. Währenddessen steht die nächste Samstagabendpartie bereits in den Startlöchern: Am 11. April kommt das Spitzenteam aus Hannover nach Darmstadt und würde sich nur zu gerne für die schmerzhafte Last-Minute-Niederlage aus dem Hinspiel revanchieren. Inklusive dieser Begegnung kommen die Lilien bereits auf sechs Topspiele. Damit zählen sie neben Schalke, Bochum und der Hertha zu den Klubs, die bislang am häufigsten in den Genuss der exklusivsten Partie eines Spieltags kamen. Was den SVD jedoch von den anderen Topspiel-Klubs unterscheidet: Sämtliche Partien waren Heimspiele – mit Sicherheit kein Nachteil für die 98er.

Foto: André Hug

Womöglich folgt ein weiteres Samstagabendspiel am Bölle

Doch das muss noch längst nicht das Ende sein: Das Heimspiel gegen Elversberg dürfte auch Ende April noch ein Duell zweier Spitzenklubs darstellen. Da am gleichen Spieltag mit Paderborn und Schalke nur zwei weitere Aufstiegsanwärter in einem direkten Duell aufeinandertreffen, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass die Lilien kurz vor Saisonende erneut den Zuschlag für das Topspiel erhalten. Schließlich darf die Heimspielstätte in Paderborn nur bis 22 Uhr betrieben werden. Das schließt die Durchführung von Spielen, die erst um 20.30 Uhr angepfiffen werden, aus. Am letzten Spieltag gastiert just mit diesen Paderborner ein weiteres sportliches Schwergewicht in Darmstadt. Da der 34. Spieltag jedoch in ausnahmslos allen Stadien sonntags um 15.30 Uhr beginnt, wird das Duell gegen Paderborn kein weiteres Samstagabendspiel sein.

Sämtliche Spitzenteams müssen noch nach Darmstadt

Die Spiele am Bölle machen mit dem aktuellen Team jedenfalls richtig Laune. Da passt es ganz gut, dass in den noch ausstehenden Heimspielen jede Menge Brisanz steckt. Immerhin geben mit den bereits erwähnten Hannover, Elversberg und Paderborn ausnahmslos Aufstiegskandidaten ihr Stelldichein. Die Aufeinandertreffen könnten demnach für alle Beteiligten das Zünglein an der Waage sein. Sollten die Kicker von Coach Florian Kohfeldt an ihre starke Heimbilanz anknüpfen, dann wären das wichtige Erfolge gegen die direkte Konkurrenz. Wenn es das Team dann noch verstünde, auch auswärts zu bestehen, spräche vieles für Höchstspannung bis zum Saisonende. Ausrutscher gegen Teams aus der zweiten Tabellenhälfte sollten tunlichst vermieden werden. Dass allerdings vermeintlich schwächere Teams gerade im Abstiegskampf alles mobilisieren, zumal vor heimischem Publikum, das haben Lilien-Kapitän Marcel Schuhen und sein Team zuletzt in Dresden schmerzlich erleben müssen.

Foto: André Hug

Kohfeldts Team auf historischer Mission?

Den Grundstein für die bislang so starke Saison legte der SVD aber ohnehin am Bölle. Das Schmuckkästchen ist zwar immer noch nicht der Hexenkessel, den sich manche im Verein und sicherlich auch im Team wünschen würden. In einigen Spielen überzeugten die Fans jedoch mit enorm lautstarkem Support. Etwa beim Pokalkracher gegen Schalke Ende Oktober, als der SVD die Knappen mit 4:0 aus dem Stadion schoss. Oder beim erwähnten Topspiel gegen Kaiserslautern. Schon gegen Ende der Begegnung gab es nicht nur Tabellenführer-Sprechchöre sondern gar Bundesliga-Gesänge. Und wenn das so weitergeht, dann ist der Aufstieg ein realistisches Szenario. Denn seit der Rückkehr der 98er in die 2. Bundesliga im Jahr 2014 hatten sie nur zweimal am Ende einer Spielzeit zu Hause mehr Punkte auf ihrem Konto, als sie bislang schon gesammelt haben. 2015 und 2023 war das, die Punktausbeute am Bölle betrug jeweils 38 Punkte. In beiden Jahren zogen die Lilien in die Bundesliga ein. Nun, wir wollen da mal rein gar nix jinxen. Schließlich galt damals wie heute: Alles kann, nichts muss.

 

Es wird kribbelig!

Sa, 4.4., 13 Uhr: Arminia Bielefeld – SV Darmstadt 98

Sa, 11.4., 20.30 Uhr: SV Darmstadt 98 – Hannover 96

So, 19.4., 13.30 Uhr: SpVgg Greuther Fürth – SV Darmstadt 98

Sa, 25.4., 20.30 Uhr (tbc): SV Darmstadt 98 – SV Elversberg

sv98.de

 

Matthias und der Kickschuh

Seit Ende 2011 schreibt Kickschuh-Blogger Matthias „Matze“ Kneifl über seine große Leidenschaft: den Fußball. Gerne greift er dabei besonders abseitige Geschichten auf. Kein Wunder also, dass der studierte Historiker und Redakteur zu Drittligazeiten begann, über die Lilien zu recherchieren und zu schreiben. Ein Resultat: das Taschenbuch „111 Gründe, den SV Darmstadt 98 zu lieben“, das (auch in einer erweiterten Neuauflage 2019) im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen ist. Zudem führt er seit einigen Jahren Interviews für den „Lilienkurier“. Genau der richtige Mann also für unsere „Unter Pappeln“-Rubrik!

kickschuh.blog